Ab jetzt vegan! Und nun? Vegan ist leicht, viel leichter als Du denkst! Bleib entspannt, dann klappt die Umstellung.

Aurora erfreut sich am Sonnenuntergang auf dem Lebenshof Farm Sanctuary, NY, USA.

Aurora erfreut sich am Sonnenuntergang auf dem Lebenshof Farm Sanctuary, NY, USA.
Quelle: Jo-Anne McArthur, We Animals.
http://weanimals.org/gallery.php?id=38#ph33

Die Welt ist kein Machwerk und die Tiere sind kein Fabrikat zu unserem Gebrauch.
Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man den Tieren schuldig.
Arthur Schopenhauer, (1788 – 1860), deutscher Philosoph
 

Es hat „Klick“ gemacht und Du verstehst auf einmal, was mit dem Zitat oben gemeint ist? Dir ist mit einem Mal klar geworden, dass Du durch Dein Konsumverhalten Grausamkeit und Ungerechtigkeit in Auftrag gibst? Dass Du das Gehalt von Menschen bezahlst, deren Job es ist, empfindungsfähige Lebewesen einzusperren, maximal auszubeuten, teils betäubungslos zu verstümmeln und letztlich gewaltsam zu töten und zu zerstückeln? Dass Du den Lohn von Menschen zahlst, auf die man nicht selten mit ein wenig Abscheu blickt und mit kaum verhohlenem Grausen sagt: „Also, ich könnte das ja nicht“? Du hast verstanden, dass Du der Auftraggeber bist für eine Industrie, wie man sie schauerlicher sich nicht vorstellen könnte und vor der die meisten die Augen verschließen, weil sie „kein Blut sehen können“ und ja doch „irgendwie Mitleid mit den Tieren haben“. Du hast erkannt, dass all dies eigentlich ein schreckliches Verbrechen ist, eine Schande für die Menschheit, und dass es aufhören muss?

Dann geht es Dir wie mir vor einigen Jahren. Eins steht plötzlich und unwiderruflich fest: Daran willst Du nicht mehr teilhaben. Nie mehr. Aber was nun? Logischerweise kommt nur der Veganismus in Frage, doch wie geht das? Muss ich nicht Angst vor Mangelerscheinungen haben? Was kann ich denn jetzt noch essen? Wie weit geht das, wie weit reicht das? Was muss ich alles umstellen und was passiert, wenn ich Fehler mache?

Vorab ein paar Gedanken zu Fehlern und der Unmöglichkeit, hundertprozentig vegan zu leben. Erstens sind Fehler menschlich und kommen nun einmal vor, was einen aber nicht daran hindern sollte, nach Fehlerfreiheit zu streben. Zweitens kann niemals irgendetwas 100%ig sein. Perfektion ist nun einmal ein unerreichbares Ziel, was uns aber ebenfalls nicht hindern sollte, ihr so nah wie möglich kommen zu wollen. Das allerdings mit möglichst großen Schritten und nicht etwa den kleinstmöglichen, den so gern und viel zitierten, Babyschritten.

Die meiste Tierquälerei findet nun einmal direkt auf unserem Teller statt. Wer also möglichst schnell möglichst viel für die Tiere erreichen möchte, fängt genau dort an und streicht alle Produkte tierlichen Ursprungs von seiner Speisekarte. Sofort. Das geht am einfachsten und hat die größte Wirkung. Danach folgen Körperpflege und Kleidung. Je länger man sich damit befasst, desto mehr Möglichkeiten Tiere zu verschonen, entdeckt man. Wenn Du Fehler machst, kann und wird Dir niemand einen Strick draus drehen, aber wenn es Dir wirklich um die Tiere geht und um Gerechtigkeit, dann wirst Du bald feststellen, dass Du selbst Dein größter Kritiker bist. Hör einfach auf Dich. Und denke immer daran:

Es geht nicht darum, der oder die Veganste im Land zu sein. Es geht einzig und allein darum, so schnell wie nur irgend möglich so viel wie nur irgend möglich für die Tiere zu erreichen.

Als Erstes ein paar Worte der Beruhigung zu dem gern und oft heraufbeschworenen Schreckgespenst der Mangelerscheinungen:
Der menschliche Körper hat üblicherweise eine Menge Reserven und wenn nicht sowieso bereits gravierende Mängel bestehen, so wirst Du nicht nach der ersten Woche bleich und entkräftet ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Auch nicht nach der zweiten oder dritten. Du kannst also ganz beruhigt jetzt sofort alle tierlichen Produkte vom Speiseplan streichen und Dich dann in aller Ruhe den Details widmen.

Als Nächstes etwas zum Vitamin B12, denn dieses ist als schwerwiegender Einwand gegen den Veganismus in aller Munde. B12 (Cobalamin) ist in der Tat sehr wichtig und kommt bei einer veganen Ernährung praktisch nicht mehr vor. Grund dafür ist nicht etwa ein inhärenter Mangel, sondern unsere Hygiene. Lebensmittel werden gewaschen, desinfiziert, haltbar gemacht, und dabei gehen die Bodenbakterien, die das B12 produzieren, verloren. Es ist also nötig, B12 zu supplementieren. Zum Glück ist das sehr einfach. Lass Dich nicht irritieren. Auch Fleischesser und Milchtrinker supplementieren B12. Nur schleusen sie es zuerst durch ein Tier, denn diese bekommen es gespritzt oder unters Futter gemischt. Das bedeutet aber auch, dass Nicht-Veganer es nicht genau dosieren können und eigentlich nur hoffen können, dass sich im Tier genügend B12 anreichert. Das ist mit ein Grund dafür, dass B12-Mangel in der ganzen Bevölkerung verbreitet ist.

Am Besten entscheidest Du Dich für ein Präparat, das man sublingual einnimmt, also für Tropfen oder Lutschtabletten, die man unter die Zunge gibt oder in der Backentasche zergehen lässt. Warum? Weil unser heutiger Lebenswandel mit Kaffee, Alkohol und Stress leider dazu führt, dass unser intrinsischer Faktor beeinträchtigt ist und wir deshalb B12 nicht mehr in ausreichender Menge über den Darm aufnehmen können. Über die Mundschleimhaut gelangt das Cobalamin ohne Umwege direkt ins Blut. Du musst nicht überstürzt handeln. Wenn Du erst in zwei oder drei Wochen ein geeignetes Präparat gefunden hast, reicht es völlig. Nur zwei oder drei Jahre solltest Du nicht damit warten.

Noch eine gute Nachricht: Eins Deiner Lieblingsgerichte ist bereits vegan: Spaghetti Napoli! Alle mögen Spaghetti mit Tomatensoße, oder etwa nicht? Aber achte darauf, dass es sich um Nudeln aus 100% Hartweizengrieß (oder anderes Getreide, nur eben keine Eiernudeln) handelt und es sollte auch keine Sahne in der Soße sein. Das wäre dann aber auch eh nicht original italienisch. Meist sind auch Pommes Frites mit Ketchup vegan, es sei denn das Frittierfett enthält tierliches Fett. Oder gebackene Bohnen in Tomatensoße.

Natürlich kann man sich auf Dauer nicht nur von Spaghetti und Pommes Frites ernähren. Die ersten Tage kannst Du aber prima überstehen, wenn Du Dich in Deinem Lieblings-Drogeriemarkt oder Supermarkt umschaust. Du wirst überrascht sein, wie viele vegane Lebensmittel es dort bereits gibt. Damit kann man hervorragend die ersten Tage der Unsicherheit überbrücken. Die Auswahl reicht von Erbsen- und Linseneintopf (natürlich die ohne Speck oder Wurst) über verschiedene Spaghetti-Soßen und Dinkel-Spirelli bis hin zu Tofu-Würstel, Getreidebratlingen, Falafel-Fertigmischung und Gemüse- oder Pilzrisotto. Und das alles ist nicht einmal schrecklich teuer.

Die sogenannten Beilagen hätten von jeher eigentlich immer die Hauptrolle spielen sollen und taten es ganz früher sicher auch. Gemüse, Obst, Pilze, Beeren, Getreide, Kartoffeln, Wurzelgemüse, Reis, Salate, Samen, Sprossen, Hülsenfrüchte und Nüsse schmecken gut und tun uns gut. Vor allem die grünen Blattsalate haben’s in sich: Chlorophyll, viel Eisen, Calcium, Vitamine und Mineralien und dazu noch Ballaststoffe. Grüne Blattsalate kann man gar nicht zu viel essen. Ich mag sie am liebsten in grünen Smoothies, die die reinsten Vitalstoffbomben sind und dazu noch oberlecker schmecken, vor allem wenn etwas Ingwer oder Kurkuma dem Smoothie eine leicht pfeffrige Schärfe verleiht.

Auch auf Süßigkeiten muss man nicht verzichten. Marzipan ist meist vegan, auch viele Marzipan-Schokoladen wenn es sich um Bitterschokolade handelt. Bitterschokolade mit hohem Kakaogehalt auch. Viele Bonbons sind tierfrei. Ebenso gibt es in Drogeriemärkten auch Gummibärchen ohne Gelatine und immer mehr Gebäck ohne tierliche Inhaltsstoffe.

Nun kommt die eigentliche Umstellungsphase. Bei Fertigprodukten muss man in den ersten Wochen und Monaten tatsächlich sehr oft die Zutatenliste lesen und wird häufig ein Produkt enttäuscht wieder ins Regal zurückstellen. Wenn man aber bedenkt, worauf die Tiere verzichten müssen, was sie erleiden mussten, damit dieses Produkt hergestellt werden konnte, dann ist dieser vergleichsweise kleine persönliche Verzicht trotz allem gut zu verschmerzen. Ich kann mich erinnern, dass ich in der Anfangszeit immer wütender wurde. Nicht, weil ich verzichten „musste“, denn ich musste ja nicht und muss es auch jetzt nicht. Ich will es. Nein, ich wurde immer wütender auf diese sogenannte Nahrungsmittelindustrie, die fast überall irgendwelches Tierleid hinein panschen muss. Ich war und bin immer noch entsetzt darüber, wie allgegenwärtig und nahezu unsichtbar diese ungeheuerliche Tierquälerei ist. Und wie normal das zu sein scheint.

Aber nach einer Weile hat man’s raus und kann wieder genauso zielsicher ins Regal greifen wie früher, nur eben zu anderen Produkten. Hin und wieder lese ich trotzdem die Zutatenliste, um mich zu vergewissern, dass die Rezeptur nicht womöglich kürzlich „tierisch verbessert“ wurde.

Dann kommt der größte Schritt, der gleichzeitig am meisten Spaß macht. Lerne kochen und backen mit frischen Zutaten! Oder lerne es erneut. Irgendwie ist es der Nahrungsmittelindustrie gelungen, uns weis zu machen, dass Kochen und Backen ungeheuer schwierige, langweilige Tätigkeiten sind und einfach ganz allgemein eine echte Zumutung. Falsch! Aber ich gebe offen zu, dass ich erst seit einigen Monaten wirklich Gefallen daran finde. Ziemlich genau seit ich mich entschlossen habe, es nicht perfekt machen zu müssen und deshalb immer ungenierter herum experimentiere. Die Zutaten sind alle essbar, oder etwa nicht? Und wenn ich’s nicht komplett verbrenne oder versalze, dann ist auch das Ergebnis meiner Kochversuche allemal essbar, selbst dann, wenn es einmal nicht so hübsch aussieht, oder nicht ganz so wie gewünscht oder erhofft schmeckt. Viel Spaß beim Experimentieren!

Übrigens wirst Du rasch feststellen, dass Du mit selber kochen sogar noch Geld sparen kannst. Eine Packung Linsen zum Beispiel kostet weniger als einen Euro und ergibt mit ein paar Karotten, Lauch, Gemüsebrühe und Gewürzen für kleines Geld einen riesengroßen Linseneintopf, von dem Du sogar noch etwas einfrieren kannst. Vergleich das mal mit dem Preis für eine Dose Fertigeintopf!

Entdecke neue Lebensmittel! Seien wir doch einmal ehrlich: Wir leben im Schlaraffenland. Unsere Supermärkte quellen über von wunderbarsten Lebensmitteln aller Art. Ja, natürlich, exotisches Obst und Gemüse ist oft etwas teurer, aber es muss ja auch nicht jeden Tag sein (und sollte es auch nicht). Finde heraus, was z.B. Seitan, Tempeh, Nori, Kala Namak oder Cherimoyas sind. Mach Dich auf die Suche nach Lupinen-Schnitzel und Lupinen-Eiskrem. Lass Dich von der Vielfalt der pflanzlichen Möglichkeiten überraschen und verführen. Es ist eine kulinarische Entdeckungsreise, auf die Du Dich begibst. Genieße sie!

Eins kann ich Dir versichern: Es wird gar nicht sehr lange dauern und Du wirst Fleisch, Milchprodukte und Eier überhaupt nicht mehr vermissen. Bald werden sich Deine Geschmacksnerven neu orientiert haben. Ja, das passiert wirklich. Ich kann es bestätigen und alle langjährigen Veganer ebenso. Nicht wenige berichten sogar, dass sie den Geruch von Fleisch, Milchprodukten und Eigerichten inzwischen abstoßend finden. Die geschmacklichen Vorlieben verändern sich, man entdeckt neue Lieblingsgerichte und bald ist vegan das neue normal.

Es ist viel einfacher, als man denkt! Es ist nur eine Änderung von Gewohnheiten, mehr nicht. Diese Umstellung birgt das Potential, Dich glücklich zu machen. Weil Du dann nämlich endlich im Einklang mit Deinen Werten lebst, mit Dir im Reinen bist und einverstanden mit Deinen Entscheidungen. Das ist ein schönes Gefühl. Dafür lohnt sich die sehr überschaubare Zeit der Umgewöhnung.

Es folgen ein paar hilfreiche Weblinks (und das ist nur ein winziger Ausschnitt aus all den inspirierenden Webseiten zum Thema Veganismus).

Liste veganer Supermarkt- oder Drogerie-Produkte:

http://www.deutschlandistvegan.de/vegane-produkte-aus-dem-supermarkt/

http://www.supermarktcheck.de/vegane-lebensmittel/liste/page:1

http://www.nixwieveg.de/ – (Produktdatenbank mit Suchfunktion.)

http://www.tegut.com/aktuell/artikel/die-vegane-liste-ein-ueberblick-zu-veganen-produkten-im-tegut-markt.html

http://www.blog.terraveggia.de/vegane-produkte-bei-dm-markt.html

http://www.berlin-vegan.de/service/einkaufen/dm-drogeriemarkt/

http://www.nixwieveg.de/laden/rossmann/

http://www.kosmetik-vegan.de/

Infos und Hilfestellung für Familien, die sich gerne vegan ernähren möchten:

http://www.tofufamily.de/

http://www.veganos.de/ – aus dem Leben einer veganen Familie.

Rezepte:

http://captainvegan.org/de/rezepte/
Eine Suchmaschine für vegane Rezepte. Einfach gewünschtes Gericht eingeben und staunen. Diese geniale Seite durchforstet ganz viele vegane Koch-Blogs. Da ist fast immer was dabei. Super!

http://www.laubfresser.de/ – vegane Rezepte aus dem Alltag

http://weloveitvegan.com/ – vegan aus Leidenschaft

http://www.veganblatt.com/rezepte

Fundierte Informationen zur veganen Ernährung:

http://www.highfive-vegan.org/start/

Gründliche Informationen zur veganen, abolitionistischen Lebensphilosophie:

http://vegankit.ro/ (deutsch)

http://vegankit.com/ (englisch)

http://www.howdoigovegan.com/ (englisch)

http://www.abolitionistapproach.com/ (englisch)

Und nicht zuletzt Deine Lieblings-Suchmaschine. Yahoogle Dich einfach durch das Web. Es gibt so viele gute, interessante, engagierte, informative, hilfreiche und sogar humorvolle Webseiten zu allen Themen rund um den Veganismus. Da sollte keine Frage offen bleiben. Und falls doch, dann maile mir unter: susanne (at) vegan-mail.de (Ernsthafte Fragen, die ehrlichem Interesse entspringen, beantworte ich sehr gerne. Alles andere wird ignoriert.)

 

Über Susanne

Froh, vegan zu sein, als ob atheistisch nicht schon gereicht hätte.
Fühlende Wesen sind kein Eigentum. Ihre Körper, ihre Leben, ihre Kinder, ihre Freiheit, ihr Recht.

Dieser Beitrag wurde unter Veganes Leben, Einstieg abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.