Immer dieselben Ablenkungsmanöver Kann sich mal bitte jemand irgendwas Neues, was Originelles einfallen lassen?

Immer wieder und zuverlässig. Sobald das Thema Tierausbeutung zur Sprache kommt, bekommt man es sofort und geradezu reflexhaft mit Ausweich- und Ablenkungsmanövern zu tun. Mit Scheinargumenten, die niemand wagen würde anzubringen, wenn es in der Diskussion um etwas anderes als „nur“ um Tiere ginge.

Jeder Strohmann ist recht, um sich nur ja nicht mit einem der größten Skandale, einer der größten Ungerechtigkeiten unserer Zeit befassen zu müssen. Hier einige der besonders beliebten Einwände.

Das Pflanzen-Argument
Ich habe mich zwar bis dato einen feuchten Kehricht für das Gefühlsleben von Pflanzen interessiert, aber wenn über Tierleid gesprochen wird, kommt mir das gerade recht, damit ich nicht darüber nachdenken muss, ob ich vielleicht daran beteiligt bin und ob es nicht vielleicht sinnvoll wäre und sogar meinen eigenen Überzeugungen entspräche, damit aufzuhören. Zack! Schon wird über die Auslegung irgendwelcher Forschungsergebnisse diskutiert und die Tiere bleiben erst einmal links liegen.

Das Raubtier-Argument
„Der Hans-Jürgen darf das aber“ hat schon damals nicht funktioniert, als ich noch klein war und zwar zu Recht, wie ich heute als erwachsener Mensch erkenne, aber das hält mich nicht davon ab, es dennoch vorzubringen, denn nun wird über ganz anderes gesprochen als über die Nutztierhaltung und nur deswegen habe ich ja davon angefangen.

Das Du-bist-auch-nicht-besser-Argument
Mag ja sein, dass ich dafür bezahle, damit andere leiden und sterben müssen, aber du hast gestern versehentlich einen Käfer zertreten und das ist genauso schlimm. Eigentlich ist es sogar viel schlimmer, weil du ja behauptest, besser als ich zu sein. So. Da hast du’s. Und überhaupt, ich mag viel lieber über Schuld und Unschuld diskutieren, als über mögliche Lösungen.

Das Vegan-macht-krank-Argument
Der Schwippschwager eines Bruders der Freundin meiner Großtante kennt jemanden, der hat mal versucht, vegan zu leben und ist prompt nach drei Tagen wegen akutem B12-Mangel ins Krankenhaus gekommen. Vor mir steht zwar ein Mensch, der seit Jahren vegan lebt und eigentlich ganz gesund aussieht, aber ich ignoriere das lieber, weil ich sonst über möglicherweise unbequeme Veränderungen nachdenken müsste. Davon bekommt aber jeder normale Mensch Kopfschmerzen.

Das Moralapostel-Argument
Ich kenne zwar kein Pardon, wenn es um andere moralisch wichtige Angelegenheiten geht, – meiner Meinung nach sollten zum Beispiel Kinderschänder allesamt aufgeknüpft werden, – aber wenn jemand die völlig unnötige Tierausbeutung als moralisch verwerflich bezeichnet, dann erkenne ich plötzlich, dass es auch bei moralischen Fragen Grauzonen gibt und man nicht immer alles so dogmatisch schwarz-weiß sehen sollte.

Das Freiheits-Argument
Ich bin zwar durchaus damit einverstanden, andere in ihrer Handlungsfreiheit einzuschränken, wenn diese mir den Schädel einschlagen wollen, oder sie in der Nähe von Schulen und Kindergärten mit Tempo 80 herumrasen, doch wenn jemand sich um das Wohlergehen von Tieren bemüht, dann wird die persönliche Freiheit, andere ohne Not ausbeuten und töten zu dürfen, plötzlich zum höchsten Gut.

Das Lebensfreude-Argument
Ein Leben ohne Currywurst und Käse ist schlicht nicht lebenswert. Warum sollte ich verzichten, nur weil diese selbstgerechten, veganen Kostverächter und Spaßbremsen sich selbst nichts gönnen? Ich würde zwar nie jemandem zugestehen, mich oder mein Hab und Gut nur so zum Spaß zu demolieren, aber Tierleid zu meinem Vergnügen ist leider unvermeidbar, da es mir nun einmal schmeckt und ich ohne diese Freude nicht leben kann. Sich nach anderen Leckereien umzusehen ist unzumutbar.

Das Respekt-Argument
Ich verstehe, dass und warum du Tierausbeutung ablehnst und respektiere diese Haltung, ja, manchmal bewundere ich sogar deine Disziplin in diesen Dingen. Ich könnte das nicht (bin doch auch nur ein schwacher Mensch wie du, also hab gefälligst Verständnis). Im Gegenzug erwarte ich nun, dass du es ebenfalls respektierst, wenn in meinem Auftrag Lebewesen ausgebeutet und getötet werden. Töten oder Nicht-töten, das ist doch letztlich alles nur eine Frage der persönlichen Meinung, obwohl ich so etwas nie behaupten würde, wenn es um Menschen ginge.

Das Religions-Argument
Ich bin zwar sonst bereit, auf religiöse Gefühle Rücksicht zu nehmen und finde es durchaus schön und wichtig, dass Religionen für Menschen Leitfaden und Halt sein können, aber wenn mir Veganer mit ihrem dogmatischen Quatsch daher kommen, dann sind mir Worte wie „Sekte“ und „Missionar“ als Beschimpfung gerade recht. Statt über Tiere zu diskutieren, kann man so den Veganer prima damit beschäftigen, erst einmal zu erklären, dass und warum Veganismus keine Religion ist.

Das Gott-hat’s-uns-gegeben-Argument
„Aber Gott hat uns die Tiere gegeben.“ – Ja-ja, ich geh zwar nur an Weihnachten in die Kirche, aber daran glaube ich felsenfest, weil es mir so schön bequem in den Kram passt. Selbstverständlich ist es ein angemessener Ausdruck von allumfassender Güte und Barmherzigkeit, wenn man dem Essen seines Lieblingstiers extra Leidensfähigkeit und ein überhaupt sehr reiches Gefühlsleben spendiert, damit es auch ja ganz besonders darunter leiden kann, wenn es gefoltert und getötet wird. Das macht für dich keinen Sinn? Elender Veganisten-Heide! Ach, du meinst, wir hätten gut drauf acht geben sollen, weil Gott alle seine Tierchen liebt? Na, dann wollen wir mal hoffen, dass er wirklich so barmherzig und allumfassend gütig ist, wenn er von seinem Betriebsausflug nach Hause kommt und sieht, was wir angestellt haben. Gell? Haha!

Das Nahrungskette-Argument
Mir ist zwar völlig klar, dass es keine Spitze einer Kette gibt, und dass ich in freier Wildbahn aufgrund meiner vergleichsweise schwächlichen körperlichen Konstitution eher als Beute denn als Raubtier enden würde, aber damit kann ich den Veganer prima auf einen Nebenschauplatz locken und damit beschäftigen, über Biologismen und Evolution zu diskutieren, statt über den Skandal der unnötigen, gewalttätigen Tierausbeutung.

Das Einer-allein-Argument
Mir ist bewusst, dass jede Menschenmenge aus einzelnen Individuen besteht und dass Veränderung immer nur beim Einzelnen beginnt, aber mit der Bemerkung, dass man alleine ja keinen signifikanten, sofortigen Unterschied machen kann, ist das Gespräch schon abgelenkt. Ab jetzt wird über Mengen, Verläufe, Statistiken, Tipping Points, Angebot und Nachfrage diskutiert, und schon sind diese doofen Tiere aus dem Blickfeld.

Das Wohin-mit-den-Tieren-Argument
Bisher war mir völlig wurscht, wie viele Tiere da so im Jahr erzeugt werden und wo die alle überhaupt sind, weil man die eigentlich nur in der Kühltheke zu sehen bekommt. Mir ist natürlich klar, dass bei nachlassender Nachfrage immer weniger und weniger Tiere erzeugt würden und somit die Wahrscheinlichkeit eher klein ist, dass wir ganz plötzlich über Nacht von riesigen Tierhorden überrannt würden, aber mit unsinnigen hypothetischen Fragen kann man so schön vom Thema ablenken und das darf man sich nicht entgehen lassen.

Das Aussterbe-Argument
Wenn du willst, dass alle diese wunderhübschen Tierrassen aussterben, dann bist du der Tierquäler und nicht ich. Ohne uns Fleischesser und Milchtrinker gäbe es doch gar keine Hühnchen, die so schnell wachsen, dass die Beine unter ihrem Gewicht brechen, oder Schweine mit Extrarippen, oder Kühe mit überdimensionalen Eutern. Das sind doch erhaltenswerte Kuriositäten, oder etwa nicht? Überhaupt, ohne uns hätten die doch alle niemals das Licht der Welt erblickt. Die sollen gefälligst dankbar sein. Wenn von Liliencron sagt, „Lieber tot als Sklave.“, dann stimme ich zwar mit Inbrunst überein, aber das gilt natürlich nur für Menschen.

Das Dankbarkeits-Argument
Wann immer ich etwas vom Tier esse, falle ich vor Dankbarkeit auf die Knie und gedenke in Demut des Opfers das das Tier für mich gebracht hat. Schau nur mal meine Knie an, wie verhornt die vom ständigen Knien schon sind. Immerhin gibt es morgens Rührei, Joghurt und Milch zum Müsli, mittags ein ordentliches Schnitzel und abends Wurst- und Käsebrote, da komme ich aus dem Danken kaum noch heraus. Die Tiere oben im Tierhimmel freuen sich da bestimmt drüber (obwohl sie natürlich gar nicht begreifen, worum es geht, die merken ja auch überhaupt nicht, wenn sie getötet werden, zumindest stelle ich mir das so vor). Obwohl, je länger ich drüber nachdenke, desto überflüssiger ist das, oder? Ich bin doch sowieso der Meinung, dass Tiere mehr oder weniger stumpfsinnige, instinktgesteuerte organische Automaten sind. Die verstehen doch gar nichts von Dankbarkeit, oder? Da kann ich mir die Heuchelei ja auch eigentlich sparen.

Das Bio-Argument
Bei „bio“ denke ich an grüne Wiesen und Sonnenschein und fröhliche Ferkelchen und Kälbchen, die um ihre Mütter herumspringen und deshalb kaufe ich wie alle anderen nur beim Bio-Bauern von nebenan, denn die gibt es in jeder Großstadt gleich um jedes zweite Eck. Und wo ich keinen finde, da verlasse ich mich auf irgendeins der Bio-Siegel. Informiert habe ich mich zwar noch nie, aber die Leute, die möglichst viel an den Tieren verdienen wollen, sind ganz bestimmt alles Tier- und Menschenfreunde und deshalb kann man sich auch nach dem 753sten Gammelfleisch- und Dioxin-Ei-Skandal unbedenklich auf sie verlassen.

Den Bio-Tieren geht es gut und deshalb ist es völlig in Ordnung, sie im Kindes- und Jugendalter zu töten. Ich würde es zwar total bescheuert finden, wenn mich jemand nach dem Unfalltod meiner kleinen Nichte mit den Worten „Na, macht doch nichts, immerhin hatte sie doch vorher ein schönes Leben“ trösten würde, aber – hey! – bei Tierkindern im Schlachthof kann man das doch ohne Weiteres gelten lassen. Ist doch ganz was anderes.

Das Ohne-Fleisch-werden-niemals-alle-satt-Argument
Ich hab mir noch nie darüber Gedanken gemacht, was und wieviel die Tiere essen und trinken müssen, bevor man sie melkt oder selber isst. Täte ich es, wäre mir natürlich klar, dass man wesentlich mehr hineinstecken muss als nachher rausspringt, aber das soll mal schön der blöde Veganer zum 418ten Mal erklären. Selbstverständlich bräuchte man weniger Ressourcen wenn man statt 67 Milliarden Lebewesen (Tiere + Menschen) nur 7 Milliarden Lebewesen (nur die Menschen eben) ernähren müsste, aber das sollen die Veganer erst einmal wissenschaftlich beweisen und zwar mit Quellenangabe, sonst zählt es nicht.

Das der-Regenwald-stirbt-für-Tofu-Argument
Irgendwo habe ich gehört, dass der Regenwald für Soja-Plantagen abgeholzt wird. Tofu besteht aus Soja, Veganer essen Tofu, na siehste, ihr Veganer seid schuld. Ach, in Tierfutter ist auch Soja? Sogar ziemlich viel? Wen interessiert’s! Ich bin ganz sicher, dass die paar Veganer auf jeden Fall mehr Tofu essen, als sämtliche Tiere zusammen. Ganz sicher. Und das Gegenteil sollen die Veganer erst einmal beweisen und zwar wissenschaftlich.

Das Hitler-Argument
Irgendwer, ich glaube, das war der äußerst vertrauenswürdige Propagandaminister des 3. Reichs, Joseph Goebbels, hat behauptet, dass Hitler Vegetarier war. Und wenn das durchs Internet geistert, dann stimmt das auch. Mit solchen Leuten fraternisierst du ekliger Veganer also. Pfui und dreimal Pfui. Daß er Autobahnen gebaut hat und uns den süßen KdF-Wagen, äh, VW Käfer schenkte, finde ich zwar toll, immerhin war nicht alles schlecht damals, gell. Außerdem sind Leberknödel, die Hitler besonders gern aß, nach meiner Definition vegetarisch. Was? Stalin war Fleischesser? Willst du mich etwa mit so einem Massenmörder vergleichen? Und überhaupt: Was hat Stalins Ernährung mit mir zu tun?

Das Arbeitsplätze-Argument
Und was ist mit all denen, die in der tierverarbeitenden Industrie arbeiten? Sollen die vielleicht alle zum Sozialamt gehen? Ich kaufe ja auch immer noch diese alten Filmrollen obwohl ich längst eine Digitalkamera habe, damit die Leute in der Filmrollen-Industrie nicht arbeitslos werden müssen. Die arbeiten alle längst in der Speicherkartenherstellung? Die machen einfach was anderes, wenn was anderes verlangt wird? So ein Blödsinn. Man kann nicht einfach so was anderes lernen und machen. Einmal Metzger, immer Metzger, das ist ein Menschenrecht.

Ha! Aber den hast du garantiert noch nie gehört:

Du isst meinem Essen das Essen weg
Wie? Was? Die meisten Veganer mögen kein genmanipuliertes Soja oder BT-Mais und schon gar keine Antibiotika im Getränk? Ach, deshalb hab ich noch wie welche gesehen, die sich mit den Tieren um den Inhalt ihrer Futtertröge prügeln. Mann, Ihr Veganisten versteht echt keinen Spaß. Langweiler!

 

Über Susanne

Froh, vegan zu sein, als ob atheistisch nicht schon gereicht hätte.
Fühlende Wesen sind kein Eigentum. Ihre Körper, ihre Leben, ihre Kinder, ihre Freiheit, ihr Recht.

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