Billigfleisch vom Discounter war gestern, mehr Farbe ist heute Brauchen wir wirklich noch mehr "Tierschutz"-Plaketten?

Comic: Vegan Sidekick

Die meisten Menschen in Deutschland essen Tierfleisch und andere „Tierprodukte“. In den letzten Jahren haben sich jedoch Diskussionskultur und Wahrnehmung, vor allem beim Fleisch, gewandelt. Es geht nicht mehr um „Fleisch essen, ja oder nein“, sondern vor allem um einen vermeintlich akzeptablen Konsum. Das haben auch die Supermärkte und Discounter gelernt, deren Produkten gern das böse Massentierhaltungs-Image anhaftete.

Um aus der Schmuddelecke herauszukommen, wurden so allerhand Systeme erdacht, um mit minimaler Tierschutzkosmetik, maximale Aufmerksamkeit von Seiten der Konsument*innen zu erreichen. Zwischen lauter Fairmast1 und Tierwohl2 ließ sich fast vergessen, dass spätestens bei der Schlachtung die grundlegenden Interessen fühlender Lebewesen auf schlimmste und endgültige Weise verletzt werden. Während Fairmast und Tierwohl-Label bereits Kritik wegen lächerlich geringer Forderungen für die Tiere, minimal höherer Fleischpreise, bzw. intransparenter Vermarktung einstecken mussten, haben die Märkte nun weitere Ideen, um Fleischprodukten ein akzeptables Image zu gewähren, ohne den Preis sonderlich anzuheben.

Netto hat ein System eingeführt, dass aufzeigen soll, wie die Tiere zu Lebzeiten gehalten wurden3. Erstaunlicherweise die Nummer eins erhält dabei die Kategorie „Konventionelle Stallhaltung“. Diese solle den gesetzlichen Standards entsprechen. Dass diese nur ein minimales Zugeständnis der Wirtschaft an den Tierschutz sind, ist schlimm genug. Jedoch kommen noch fehlende Kontrollen hinzu. Viele Unternehmen werden nur im Abstand von Jahren bis Jahrzehnten kontrolliert4

Kategorie zwei soll winzige Zugeständnisse an die Bedürfnisse der Tiere machen, indem z. B. Beschäftigungsmaterial vorhanden sein soll. Kategorie soll den Tieren doch tatsächlich Zugang zu einem Außenbereich geben und Kategorie vier den Bio-Kriterien entsprechen5. Der unfreiwillige und leidvolle Tod wird durch die bunten Verpackungen natürlich nicht verhindert.

Eine weitere Idee, zur Tierschutz-Deko kommt von ALDI-Süd. Dort wurde nicht nur das Design eines Bilderbuches aufgenommen, sondern direkt auch zwei Tierschutzorganisationen als Fürsprecher gefunden6. Revolutionäre Verbesserungen für zu Nutztieren degradierte Tiere finden sich jedoch nicht7.

Eine Recherche zu den Labeln, Versprechen und vermeintlich tiergerechteren Haltungs-, Transport-, und Schlachtbedingungen zeigen wieder nur eines auf, nämlich die Tatsache, dass es den Tieren nicht besser ergeht, dass bunte Bilder und eingefärbte Fleischverpackungen nur dem Gewissenswohl dienen.
Wer in den Diskussionen dem Einwand vom geringen Fleischkonsum, bei striktem Wissen um Herkunft und Beachtung von Tierwohl begegnet, kann nicht anders, als diese Blase platzen zu lassen.

Fair den Tieren gegenüber ist es nur, sie nicht den Leiden und dem frühen Tod im Verwertungsprozess auszusetzen. Fair ist es ebenfalls, Tierschutzorganisationen nicht dazu zu verwenden, blutigen Produkten einen tierfreundlichen Anstrich zu geben.

 

  1. Fairmasthttps://www.fairmast.de/ []
  2. Initiative Tierwohl: https://initiative-tierwohl.de/ []
  3. Haltungszeugnis des Discounters Netto:
    https://www.netto-online.de/Haltungszeugnis.chtm []
  4. N-TV Mediathek: Amtstierarzt schaut mancherorts nur alle 48 Jahre vorbei:
    https://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Amtstierarzt-schaut-mancherorts-nur-alle-48-Jahre-vorbei-article20599831.html []
  5. Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung, Bio-Siegel:
    https://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Nachhaltige-Landnutzung/Oekolandbau/_Texte/Bio-Siegel.html []
  6. Aldis Bilderbuch für Erwachsene:
    https://unternehmen.aldi-sued.de/fileadmin/fm-dam/company_photos/US_Verantwortung/Lieferkette/ALDI_SUED_Fuer_mehr_Tierwohl.jpg []
  7. Aldis Einkaufspolitik:
    https://unternehmen.aldi-sued.de/fileadmin/fm-dam/company_photos/US_Verantwortung/Downloads/ALDI_SUED_Tierwohl-Einkaufspolitik.pdf []