Die höchsten Güter teilen wir mit den Tieren. Was am wichtigsten und wertvollsten für uns ist, haben wir gemeinsam.

Was sind unsere höchsten Güter? Leben, Körper, Freiheit.

Warum sind das unsere höchsten Güter? Was macht sie zu den höchsten von allen Gütern?

Weil ohne sie alle anderen Güter entweder ihren Wert verlieren, oder gar völlig bedeutungslos werden.

Wenn ich mein Leben verloren habe, nützt mir die schönste Villa nichts.
Wenn ich blind bin, kann ich noch so viele Gemälde besitzen, ihre Schönheit bleibt für mich unerreichbar.
Wenn ich eingekerkert bin, ist auch das tollste Auto vor dem Gefängnistor wertlos für mich.

Wie verhalten wir uns, wenn diese höchsten Güter unmittelbar bedroht sind?

Wir schreien, weinen, wimmern. Wir versuchen zu fliehen, uns zu retten, aus der bedrohlichen Situation zu entkommen. Oder wir treten zur Gegenwehr an, versuchen, uns zu verteidigen. Manche flüchten auch in die verzweifelte Apathie der Selbstaufgabe, weil sie verinnerlicht haben, dass es keine Rettung gibt. Je nach Charakter und Lebenserfahrung der bedrohten Person.

Wenn Leben, Körper, Freiheit bedroht sind, dann sind keine abstrakten, philosophischen Konstrukte bedroht, dann fühlen wir uns ganz unmittelbar direkt selbst bedroht. Wir sind unser Leben, unser Körper, unsere Freiheit.

Wie verhalten sich Tiere, wenn ihre Leben, ihre Körper, ihre Freiheit bedroht werden?

Sie schreien, winseln, wimmern. Sie versuchen zu fliehen, sich zu retten, aus der bedrohlichen Situation zu entkommen. Oder sie treten zur Gegenwehr an, versuchen, sich zu verteidigen. Manche flüchten auch in die verzweifelte Apathie der Selbstaufgabe, weil sie verinnerlicht haben, dass es keine Rettung gibt. Je nach Charakter und Lebenserfahrung des bedrohten Tiers.

Wir verstehen ihre Reaktionen, weil es dieselben wie unsere sind. Wir verstehen ihr Verhalten, weil wir unser Verhalten verstehen. Wir verstehen sie, weil wir uns verstehen.

Dazu bedarf es keiner Sprache. All die oben genannten Reaktionen auf unmittelbare Bedrohung sind vorsprachlich, nicht-sprachlich. Sprache ist nicht von Bedeutung, wenn die Handlung selbst so unmittelbar verstanden werden kann. Derart grundlegende Gefühle wie Angst und Entsetzen verstehen wir nicht nur über kulturelle und ethnische Grenzen hinweg, sondern auch über die Grenzen der Spezies hinweg.

Das hat nichts mit Vermenschlichung zu tun, im Gegenteil. Biologisch gesehen sind auch Menschen Tiere. Tiere vom Stamm der Chordata, Klasse Mammalia, Ordnung Primates, Familie Hominidae, Gattung Homo, Art Sapiens. Wir sind nicht so verschieden von den anderen Tieren, wie wir es gerne hätten (siehe Grafik). Es wird Zeit, sich endlich daran zu erinnern, dass wir ebenfalls Tiere sind, dass wir aus demselben Holz geschnitzt sind, dass sie unsere Geschwister sind, nicht nur figurativ, sondern ganz real. Wir sind ein Teil dieser Welt. Wir stehen nicht darüber und auch nicht außerhalb. Wir sind nur eins der vielen Puzzleteilchen, die das wunderbare Ganze ergeben und jedes einzelne dieser Puzzleteilchen ist unentbehrlich und ungeheuer wertvoll.

Tree of Life (Excerpt)

Source: David M. Hillis, Derrick Zwickl, and Robin Gutell, University of Texas. http://www.zo.utexas.edu/faculty/antisense/downloadfilesToL.html

Sie sind wie wir. Ihre Haut erfüllt dieselbe Aufgabe wie unsere Haut. Ihre Organe erfüllen dieselben Aufgaben wie unsere. Ihre Muskeln bewegen ihre Körper, genau wie unsere Muskeln. Ihr Nervensystem transportiert Reize zum Gehirn, genau wie unseres. Ihr Herz pumpt das Blut durch ihre Körper, wie unseres, und ihr Blut hat dieselbe Aufgabe wie unseres, nämlich diesen Körper zu ernähren und am Leben zu halten. Warum sollte ausgerechnet bei der Funktion des Gehirns die große Zäsur sein? Auf welcher logischen Basis glauben wir (und mehr als ein Glaube, eine Ideologie, ist es nicht), dass ihr Gehirn so viel schlechter funktioniert als unseres, dass es so anders ist, dass wir es als derart minderwertig erachten dürfen, dass wir die Vorgänge darin ignorieren und missachten dürfen?

Die Reaktion der Tiere auf unmittelbare Bedrohung zeigt, dass auch für sie die höchsten Güter ihr Leben, ihr Körper und ihre Freiheit sind. Ihre existentiellen Interessen sind dieselben wie unsere. Weil auch sie ihre Körper sind. Weil auch ihr Leben für sie von höchstem Wert ist, unabhängig davon, welchen Wert wir ihm beimessen. Weil sie Subjekte sind, Subjekte-ihres-Lebens, genau wie wir. Dies ist moralisch von Bedeutung und zwar deshalb, weil wir moralische Wesen sind, weil wir Moral und Ethik verstehen, weil wir den Wert des Lebens verstehen und gerade deshalb uns besonders verpflichtet fühlen müssen, dieses ebenfalls fühlende Leben zu achten, zu respektieren und zu schützen wo immer es uns begegnet. Unser eigenes Wertesystem verlangt das von uns.

Wenn wir der Meinung sind, dass unsere höchsten Güter unbedingten Schutz vor Willkür und Gewalt verdienen, dann dürfen wir anderen eben diesen unbedingten Schutz ihrer höchsten Güter nicht verwehren. Es wäre nicht nur unlogisch, sondern vor allem ungerecht. Es wäre ein Unrecht. Es ist ein Unrecht.

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Diese Gedanken stammen nicht von mir. Sie sind weder original, noch originell. Ich habe nur in meinen eigenen Worten wieder gegeben, was ich mir angelesen habe. Diesen Vorgang nennt man Lernen. Es ist eine der menschlichen Eigenschaften, auf die wir besonders stolz sind.

Diese Gedanken, diese philosophisch-logischen Begründungen wurden bereits vor über 30 Jahren formuliert, unter anderem von Tom Regan (http://tomregan.info/), und ich finde, es ist ein Schandfleck für die Menschheit, dass diese Ideen nicht schon damals wie ein Lauffeuer um sich gegriffen haben, so wie es von rechts wegen hätte geschehen müssen, wenn wir tatsächlich intelligent wären.

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Wenn du noch mehr Fragen zum Veganismus hast, dann beginne hier:
http://www.keiner-fliege.de/
http://www.howdoigovegan.com/

“When an injustice is absolute, one must oppose it absolutely. It was not ‘reformed’ slavery that justice demanded, not ‘reformed’ child labor, not ‘reformed’ subjugation of women. In each of these cases, abolition was the only moral answer. Merely to reform absolute injustice is to prolong injustice. Animal rights demands this same answer: abolition.”
~Tom Regan