Die vegane Wurstkrise

Das Jahr 2016 nähert sich unaufhaltsam seinem Ende. Ein turbulentes Jahr im Bereich des Tierschutzes und des veganen Lebens. Was wurde über Hühnerschnäbel, Kastenstände, Ferkelkastrationen und Tiermilchpreise diskutiert. Was wurde wahlweise gelacht oder sich auch mal fremdgeschämt, wenn ein veganer Promi danebengriff. Aber all das ist nichts gegen den Vleischsalat-Skandal.

Von außen an die vegane Szene herangetragen wurde ein Streit, der Veganer*innen an sich völlig egal ist. Die Frage ob ein Produkt, welches keine Tierprodukte oder keine Produkte vom toten Tier enthält, mit dem Namen eines vermeintlichen Tierfleischproduktes wie z.B. Schnitzel, Wurst, Steak oder Frikadelle versehen werden darf.1
Da auf den Produkten üblicherweise groß „vegetarisch“, „vegan“ oder so etwas wie „Weizenerzeugnis im Stile einer Bratwurst“ vermerkt ist, wurde das Ganze nie als Problem gesehen. Erklärt doch der Name, welches Produkt erwartet werden darf. Also z.B. ein Brotbelag in Scheiben mit einer Würzung aus Paprika und Knoblauch oder eine bratfertige Walze mit Majoran.

Wurstkrise

Skandalöse Verbrauchertäuschung. Man muss schon SEHR genau hinschauen, um zu erkennen, dass uns hier ein pflanzliches Produkt untergeschoben werden soll.

Seit jedoch bekannter wird, wie die Tierindustrie aus denkenden, fühlenden Lebewesen Gesichtswurst und Bauchspeck machen und klar ist, was der aktuell gigantische Konsum von Tierprodukten in Deutschland für die Umwelt und die menschliche Gesundheit bedeuten, wendet sich das Blatt. Vegane (und vegetarische) Fleisch- und Wurstprodukte haben plötzlich ihren fixen Platz am Markt gefunden. Gekauft werden sie nicht nur von vegetarisch und vegan lebenden Menschen, sondern auch von Personen, die ihren Tierfleischkonsum reduzieren. Eine ganze Industrie sieht ihre Felle (Häute und ausgekochten Knochen) davonschwimmen und fordert, mittels gewichtigem Sprachrohr Minister Schmidt, dass eine vegane oder vegetarische Wurst, ein veganes Schnitzel oder anders veganes Produkt jetzt umgetauft werden muss. Als Vorwand wird vorgeschoben, dass Menschen, die keinerlei Etiketten lesen, sich zwar nicht betrogen fühlen, wenn im Fleischsalat kein Eisbergsalat drin ist, wohl aber, wenn keine Tierfleischprodukte enthalten sind. Wie sie das bemerken sollen, wenn sie schon vorher die große Aufschrift ignoriert haben, lässt Schmidt offen.

Wir können uns gerade auf der Zunge zergehen lassen, was unseren Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft in den letzten Tagen des Jahres 2016 umtreibt. Nein, die sich ausbreitende Vogelgrippe ist es wohl nicht.2 Auch nicht eine EU-Klage gegen Deutschland wegen unseres klitzekleinen Gülleproblemes ist es nicht.3 Die geschredderten männlichen Küken sind es wohl auch nicht.4 Es ist doch tatsächlich die vegane Currywurst.

Bei diesem Talent, von wichtigen Themen abzulenken, kann man schon einmal mit einer veganen Currywurst Beifall klatschen. Darauf noch ein Seitanschnitzel … so lange es noch nicht zur Seitanprohibition kommt!

  1. https://www.tagesschau.de/inland/schmidt-schnitzel-101.html []
  2. http://www.agrarheute.com/news/vogelgrippe-neue-h5-faelle-nrw-baden-wuerttemberg-bestaetigt []
  3. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/nitrat-im-grundwasser-eu-reicht-klage-gegen-deutschland-ein-a-1120036.html []
  4. http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-05/oberverwaltungsgericht-muenster-kueken-landwirtschaft-schreddern-massentoetung []

Über Hella

Ich arbeite im NRO-Bereich und nutze meine Freizeit gern für Tierrechtsaktivitäten.

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