Erlaubt ist, was üblich ist. Und üblich ist, was viele tun. Was die "Wirtschaftlichkeit" aus fühlenden Wesen macht.

Eben kastriertes Ferkel (Foto: Jo-Anne McArthur, We Animals)

Dieses Ferkel wurde eben kastriert und sein Schwanz wurde gekürzt. Er war einer von Tausenden und ihren Müttern, die uns in dieser Nacht begegneten. ~Jo-Anne McArthur
—- Originaltext aus Facebook —-
The piglet has just been castrated and his tail has been docked (which means cut off). He was one of thousands of piglets we met that night, with their mothers.
A cat followed and watched us for some time. I wonder what she thought of the farm, the animals, the smells, the humans.
Photo: Italy, 2015. Jo-Anne McArthur (http://www.joannemcarthur.com/) / We Animals (https://www.facebook.com/WeAnimals/), with Essere Animali (https://www.facebook.com/essereAnimali/)

Sieh hin. Das ist es, was geschieht, wenn die Wirtschaftlichkeit, wenn sogenannte Sachzwänge regieren. Wenn das was „üblich“ ist, weil es alle machen, definiert, was erlaubt ist.

Sieh hin. Das jammervoll hoch gezogene Beinchen. Ein Häufchen Elend. Aua. Tut so weh. Und die Mama kann nicht trösten kommen, denn sie ist in einem Käfig eingesperrt, der kaum größer ist als sie selbst, in dem sie sich nicht einmal umdrehen kann, nicht die kleinste Chance hat, sich ihren Kindern zuzuwenden.

Diesem kleinen Ferkel wurden eben die Hoden brutal heraus geschnitten und das Schwänzchen abgeknipst. Oft werden auch noch die Zähne heraus gebrochen und Stückchen aus den Ohren gestanzt zwecks Kennzeichnung. Alles ohne Betäubung, weil: dauert zu lang und ist auch zu teuer. Außerdem müssen nach der Gabe von Medikamenten manchmal mehrwöchige Wartezeiten eingehalten werden, bevor die Tiere „weiterverarbeitet“ werden dürfen. Das würde in vielen Fällen die Kosten in die Unrentabilität treiben.

Versetze dich nur für einen Moment in seine Lage. Du wirst gepackt und kopfüber in eine Halterung geklemmt, die es dir unmöglich macht, dich zu bewegen oder zu wehren. Deine Genitalien ragen entblößt und schutzlos nach oben. Dein Brüderchen steckt nebenan auch in so einer Halterung. Ein großes Wesen beugt sich über ihn, macht sich an ihm zu schaffen und aus dem anfänglich angstvollen Quieken deines Brüderchens wird ohrenbetäubendes Schmerzgeschrei. Deine Angst wächst ins Unermessliche. Du willst nur noch weg, raus hier, aber es geht nicht. Du bist bewegungslos eingespannt. Absolut wehrlos. Du bist doch nur ein Baby. Jetzt kommt der Mann mit dem Messer zu dir…

Ich mag mir lieber nicht vorstellen, welche grauenvollen Schmerzen, welche fürchterliche Angst, welche Panik, welches Trauma die Tiere erleiden. Sie werden routinemäßig geschnitten, verstümmelt, verbrannt, gelocht und kupiert. Alles ohne Schmerzunterdrückung. Die Kataloge der Agrar-Industrie wirken auf mich wie ein beklemmender Ausflug in mittelalterliche Folterkammern.1

Solche Praktiken sind „üblich“ in der Tierindustrie und was „üblich“ ist, das ist erlaubt und fällt nicht unters Tierschutzgesetz, oder zumindest wird rasch eine passende Ausnahmeregelung gestrickt.2 Die Folterungen brauchen also nur eine gewisse zahlenmäßige Menge erreichen, zack!, schon steht man außerhalb des Gesetzes. Sehr praktisch. Hätte ich Spaß an Tierquälerei, dann wäre das wohl mein Traumarbeitsplatz. Da stellt sich mir die Frage, wie viele echte Sadisten und Soziopathen sich diese Berufe ganz gezielt auswählen.

Achtung! Bitte keine trügerischen Umkehrschlüsse, keine Unterstellungen. Ich behaupte ausdrücklich nicht, dass alle Beschäftigten in der Tierprodukte-Industrie soziopathische Sadisten sind. Ich frage mich lediglich, ob sich Sadisten dort nicht besonders wohl fühlen würden und deshalb möglicherweise dort überdurchschnittlich viele anzutreffen sind. Ob an dieser Überlegung was dran sein könnte, überlasse ich deiner Einschätzung und deiner Lebenserfahrung.

Das Hauptproblem liegt aber nicht in den grausamen Praktiken allein. Das Hauptproblem ist die ethisch abzulehnende Haltung, dass Tiere, dass empfindungsfähige Lebewesen, Eigentum von anderen sein können. Niemand sollte Eigentum eines anderen sein. Wenn ein Lebewesen zum Eigentum eines anderen gemacht wird, eines anderen, der sich das Recht nimmt, mit einem Fingerschnippen über Leben und Tod zu entscheiden, verliert es im selben Moment jegliche Rechte und jeglichen Schutz. Jedwede Vereinbarung zu dessen Schutz wird damit automatisch null und nichtig, wird ad absurdum geführt. Die Auswüchse dieser Geisteshaltung werden wieder und wieder und wieder von Aktivisten dokumentiert, ohne dass diese Filme und Fotos irgendetwas daran ändern würden. Diese Geisteshaltung ist von Grund auf böse und ihre Folgen sind unentschuldbares Unrecht.

Komme mir jetzt ja niemand mit den verschissenen Wohlfühlvokabeln „bio“ und „artgerecht“! Nur, weil es diesen Tieren ein fitzelkleines bisschen weniger schlecht geht, geht es ihnen noch lange nicht gut. Und selbst wenn es uns gelänge, ihnen den Himmel auf Erden zu bereiten, so gäbe uns das trotzdem nicht das Recht, sie auszubeuten, ihre Fortpflanzungsorgane zu missbrauchen, ihnen ihre Kinder zu entreißen, sie zu töten.

Wer Tierprodukte konsumiert, egal welche, der ist verantwortlich für dieses Grauen schier unvorstellbaren Ausmasses. Diese Geschöpfe leben in einem Alptraum. Sie leben in der Hölle, vom Moment ihrer Geburt bis zu ihrem letzten Atemzug. Und wir sind schuld daran. Ihr einziger Fehler ist, die falsche Haut in einer von Grund auf speziesistischen Gesellschaft zu haben.

Wollen wir wirklich so sein? Willst DU wirklich so sein?

Oder wäre es nicht vielmehr die Pflicht des Mächtigeren, des Stärkeren, die Schwächeren und Wehrlosen zu behüten und zu beschützen?

Lebe deine eigenen Werte! Lebe vegan!

Es ist so viel einfacher, als du jetzt noch denkst. https://www.vegpool.de/magazin/vegan-werden.html

 

  1. Hier eine kleine Auswahl:

    www.agrargigant.de/tierzucht/schweine-programm/kastration.html

    www.agrargigant.de/ferkelzahnzange-niro.html

    www.agrargigant.de/propig-akku-zahnschleifgeraet-12-18-v-40-w.html

    www.agrargigant.de/tierzucht/rinder-programm/viehtreiber-baendigung.html

    www.agrargigant.de/tierzucht/rinder-programm/enthornung.html

    www.agrargigant.de/tierzucht/schweine-programm/kupieren.html []

  2. „Laut Paragraph fünf des deutschen Tierschutzgesetzes darf an einem Wirbeltier ein mit Schmerzen verbundener Eingriff nicht ohne Betäubung vorgenommen werden. Die betäubungslose Kastration von Ferkeln ist jedoch innerhalb der ersten sieben Lebenstage erlaubt. Das besagt eine Ausnahmeregelung der Richtlinie 2001/93 EG in der Europäischen Union sowie in Paragraph fünf Absatz drei des Tierschutzgesetzes. In Deutschland werden jährlich rund 20 Millionen männliche Ferkel ohne Betäubung kastriert.“ – Quelle: http://www.provieh.de/fragen-und-antworten-zur-ferkelkastration, Stand 2016-02-09 []

Über Susanne

Froh, vegan zu sein, als ob atheistisch nicht schon gereicht hätte.
Fühlende Wesen sind kein Eigentum. Ihre Körper, ihre Leben, ihre Kinder, ihre Freiheit, ihr Recht.

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