Jagende Reißzähne Argumente aus der Steinzeit

„Der Mensch ist ein Raubtier/Carnivore/hat Reißzähne“ (heute in etwa 40 Mal tatsächlich gelesen)

Ey Leute, ernsthaft? Ich dachte dieses „Argument“ sei mittlerweile auf der roten Liste der bedrohten Strohmann-Arten und nur noch dort zu finden.
Stattdessen hab ich das Gefühl, dass mich die Matrix vollkommen verarscht und mich entweder:
in einem Jahrtausend vor Einführung des Frauenwahlrechts aber mit Internetzugang,
oder aber im Jahr 2016 ohne erfolgte Synapsenendknöpfchenverknüpfung rausgeworfen hat.

https://pixabay.com/de/totenkopf-affensch%C3%A4del-affe-gebiss-1096316/

Bild: pixabay

Genau, wer kennt es nicht: überall Raubtiergebisse zwischen den Supermarktregalen. Und geschmeidig wie Geparden schleichen sie sich an die Rügenwalder, erhechten sie und schlagen ihre Fingernagelkrallen in die Verpackungen um sie mit ihren säbelzahnartigen Hauern zu zerfleischen.

Und die Nahrungskette- die darf da natürlich nicht fehlen. Neben der Erwähnung, dass wir da an der Spitze stehen, was erstens bei einer Kette echt ne Leistung und zweitens auch bei ner Pyramide falsch wäre (der Löwe würde sicherlich artig auf unsere Spitzenposition achten),
stellen sich unsere Raubtiergebissträger täglich ihrer natürlichen Nahrungskette, indem sie andere Menschen dafür anstellen und bezahlen, diverse Tiere (vorrangig solche gefährlichen wie Lämmer, Kälber, Ferkel, Kaninchen, Kühe, Schweine, Schafe, Ziegen) züchten, einpferchen, töten, zerlegen, würzen und verpacken zu lassen, um sie dann im Nahrungskettenmarkt gegen Papierschnipsel einzutauschen. Yes.

 

„Ich habe Reißzähne!“ sagte der Opa von Hagen Rether immer.

„Und was jetzt, hast du wieder eine Bockwurst gejagt? Opa, das sind Rudimente!“

„Ne das sind Reißzähne.“

„Gorillas haben Reißzähne. SOLCHE Reißzähne haben die. Und das sind Veganer! Dein Steißbein ist auch ein Schwanz. Damit kannst du dich an den Baum hängen.“

Opa: „Ne von der Natur habe ich Reißzähne bekommen, die muss ich auch verwenden.“

Hagen Rether: „Wieso? Du hast doch auch ein Großhirn gekriegt!“*

https://pixabay.com/de/person-mensch-mann-m%C3%A4nnlich-1111703/

Bild: pixabay

Zusammenfassend wäre da zu sagen:
Jäger und Sammler. Raubtier war der Mensch noch nie. Und soweit entfernt wie heute war er schon lange nicht von irgendeiner Nahrungskette gewesen. Da wären wir nämlich auch Futter für so manches wirkliche Raubtier.

Ackerbau war eine kulturelle, menschliche Leistung.
Heute baut der Mensch Unmengen an Pflanzen an, zerstört damit seinen eigenen Lebensraum und den anderer Tiere, um damit Milliarden zu Nutztieren degradierte Qualzuchten zu füttern, diese zu essen und ein Drittel der Erzeugnisse wegzuschmeissen-aus marktwirtschaftlichen „Gründen“.

Dabei könnte er einfach weniger anbauen und es direkt selbst verzehren, ohne den Weg über Veredelungsverlust, Zoonosenbildung, Keimbelastung und das unglaubliche Leid der Tiere zu gehen.

Heute jagt der Mensch im Supermarkt und entfremdet sich immer mehr vom Hergang seiner Nahrungsbeschaffung- um dann etwas von Reißzähnen zu krakeelen?
Klingt selten dämlich, was da passiert?

Ist es auch.

*Aus dem Programm LIEBE von Hagen Rether

Über Kirstin

Wenn man für Gleichberechtigung und gegen Ungerechtigkeiten seine Stimme erhebt, dann ist man nicht naiv, sondern man hat erkannt, dass die unsäglichen Sachen, welche täglich passieren, aus dem einfachen Irrglauben entstehen, dass der eine mehr wert wäre als der andere.

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