Kinder und Tiere – Eine Liebe, die nicht auf dem Teller enden sollte Hilfe, vegane Kids

Ich denke, wir sind uns einig…

Haben Sie Kinder?
Lieben Sie Ihre Kinder?
Möchten Sie das Beste für Ihre Kinder?
Schauen Sie darauf, dass Ihre Kinder gesund und fröhlich aufwachsen können?
Legen Sie Wert darauf, ehrlich zu Ihren Kindern zu sein?
Vermitteln Sie ihren Kindern das, was Ihrer Auffassung nach wichtig ist? Werte, die Ihnen sinnvoll erscheinen?
Ist Ihnen die Zukunft Ihrer Kinder wichtig?

Wenn Sie bis hierhin verwundert mit „Ja, selbstverständlich!“ geantwortet haben, dann sind wir uns schonmal einig. Meine Kinder sind für mich das Wundervollste, das ich auf dieser Welt erleben und begleiten darf. Ich liebe sie unendlich und wünsche mir, dass sie gesund aufwachsen und später einmal eine lebenswerte Zukunft haben. Ich hoffe, sie können mit den Werten, die ich ihnen vermittle, selbstbewusst, mitfühlend und wahrheitsliebend die Welt zu einem besseren Ort machen und fröhlich und friedlich darin leben.

Falls Sie keine Kinder haben: Wenn Sie bis zu dieser Stelle nachvollziehen können, dass Eltern diese Punkte (im Normalfall) wichtig sind, dann belegen auch wir eine gemeinsame Basis.

Wir übernehmen Verantwortung

Als Eltern sind wir dafür verantwortlich, wie unsere Kinder aufwachsen. Wir sind Vorbilder, ob wir das wollen oder nicht. Wir sind für ihren Schutz verantwortlich und wir sind diejenigen, die auf ihre Fragen Antworten geben. Eltern begleiten ihre Kinder in die Welt. Sie sind Zuhörer und Erklärer, Tröster und Spaßmacher, Beschützer und Motivationsgeber, Spielpartner und Begleiter auf dem Weg ins Leben. Wir versorgen sie mit allem Notwendigen wie Nahrung, Kleidung, Wohnung, Betreuung – viel wichtiger aber noch mit Werten wie Liebe, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft.

Wir stimmen immer noch überein, nicht wahr? Ich zumindest bin noch niemandem begegnet, der sein Kind zu einem selbstsüchtigen, mit Ellenbogen kämpfenden Egoisten erziehen möchte. Zumindest nicht vorsätzlich.
All das ist grundsätzlicher Konsens. All das leuchtet Menschen im Allgemeinen ein. Auch wenn die Umsetzung nicht immer ganz so einfach ist, wie alles klingt. Und leider unterscheidet sich die gute Absicht oft auf vielfältige Art und Weise: Manche sind geradlinig und ehrlich, andere bewirken unbewusst teilweise durch kognitive, emotionale oder zeitliche Überforderung das genaue Gegenteil. Und doch ist allen eines in der Regel gemeinsam: Die Liebe!

 

 

Ethische Grundprinzipien

Liebe verspürte ich schon, bevor ich Kinder hatte. Zu Menschen, zu Tieren, zur Natur. Und wer mit dem Herzen sieht, dem fallen Ungerechtigkeiten bitter auf. Ob dies hungernde Kinder sind, gequälte Tiere oder verschmutzte Natur – um all das falsch zu finden, benötigen wir kein übermäßiges Helfersyndrom. Die Erkenntnis, dass etwas ungerecht ist, sollte in einem Gesellschaftssystem, das auf miteinander Leben und sozialen Gefügen basiert, generell den Wunsch in uns auslösen, für Fairness zu sorgen. Konsequent zu Ende gedacht, ist Veganismus das moralische Mindestmaß: Niemandem absichtlich und vorsätzlich Schaden zuzufügen, ist im Grunde ein gesellschaftlich anerkanntes ethisches Grundprinzip.

Sobald dieses Prinzip einen Namen bekommt, gilt es merkwürdigerweise für viele Menschen nicht mehr auf dieselbe Weise. Eine Reihe Abwehrmechanismen setzen ein, um eigenes, nicht adäquates Verhalten zu rechtfertigen. Nachvollziehbar, denn sich einzugestehen, dass man noch nicht nach der grundlegenden ethischen Frage, der man „eigentlich“ zustimmt, lebt, wäre ein Eingeständnis, bisher etwas versäumt zu haben. Für die eigene Person bereits ein schwieriges Unterfangen, bei der Frage nach den Kindern setzt uns der Beschützerinstinkt jedoch noch eins obendrauf. Schließlich sind wir ja verantwortlich und wollen nur das Beste. Also wird gerne auf Angriff als die beste Verteidigung geschaltet. Und dieser Angriff setzt meist unbewusst schon damit ein, wenn jemand erklärt: „Meine Kinder sind vegan.“

Hilfe.
Dürfen die das?
Können die das? Wollen die das?
Sollten sie das? Haben sie das selbst entscheiden dürfen?
Ihr zwingt ihnen eure Lebensweise auf.
Kindesmisshandlung. Verbieten.

Sie wollen weiterlesen? Super!

Wem es möglich ist, objektiv darauf zu schauen, wieso Menschen ihre Kinder vegan aufwachsen lassen, sei eingeladen, sich hier noch weiter damit zu befassen.
Natürlich setzt das voraus, dass wir uns immer und immer wieder die Definition in Erinnerung rufen, die unsere Wertvorstellungen – nicht nur im Veganismus – prägt:
Wenn wir fröhlich und gesund leben können, ohne anderen (Menschen, Tieren und der Natur) zu schaden oder sie auszunutzen, dann sollten wir das so gut wie möglich tun. Wenn wir die Wahl zwischen Leben lassen und Töten haben, sollten wir uns für die friedliche Variante entscheiden. Wenn wir die Ressourcen der Natur schützen und Lebensräume für Tiere und Menschen – unsere Kinder – bewahren können, dann sollten wir verantwortungsvoll handeln.
Ich möchte meinen Kindern diese Werte vermitteln. Sie auch?

 

Soziale Regeln nur für Einzelne?

Solange die Kinder noch sehr klein sind, tragen die Eltern dafür Sorge, dass das Kind behütet aufwächst und zugleich anderen nicht schadet. Es darf Geschwister oder andere Kinder nicht zwicken, kratzen oder anderweitig weh tun. Diese Grenzen setzen wir als Erwachsene. Wir möchten auch nicht, dass der kleine Mensch unseren Hund an den Ohren zieht, die Katze am Schwanz reißt oder dem Meerschweinchen in die Augen piekt. Wir wissen, dass jedes Lebewesen Schmerz, Angst und Leid spüren kann, genauso wie unser eigenes Kind, und achten darauf, es zu vermeiden.

Wieso sollten wir nur ein paar Lebewesen in diesen Gedankengang einbeziehen, andere jedoch von vornherein ausgrenzen? Das Schwein darf nicht nur ein kurzes überzüchtetes gequältes Dasein fristen, sondern generell ohne Notwendigkeit getötet werden? Warum machen wir in dem Punkt „Schaden und Leid vermeiden“ Unterschiede? Wenn alle dasselbe fühlen, darf kein Unterschied in der Behandlung bestehen. Definitiv fügen wir dem Schwein Schaden und Leid zu. Wir lassen es töten. Wir geben es in Auftrag. Und wir bezahlen sogar noch dafür. Gleichzeitig schützen wir unseren Hund wie ein Familienmitglied.

 

Empathie

Meine Kinder machen keine Unterschiede zwischen Hautfarbe oder Spezieszugehörigkeit. Alle möchten einfach nur glücklich leben. Wer in Not ist, dem sollte geholfen werden. Es gibt immer welche, die mag man vielleicht nicht so leiden oder ekelt sich – das ist jedoch kein Grund dafür, denjenigen Schmerzen oder Leid zuzufügen. Niemand kann schließlich etwas dafür, an einem anderen Ort oder als andere Spezies geboren zu sein. Niemand hat sich aktiv ausgesucht, eine große Nase oder Flügel zu haben. Wenn wir selbst an jener Stelle wären, was würden wir uns für uns selbst wünschen? Ist es nicht das, was wir so oft versuchen, Kindern wie auch Erwachsenen zu verdeutlichen? Fairness?

Wer von klein auf Mitgefühl lernt, dem wird es später eine Selbstverständlichkeit sein. Selbstverständlich, dass die Katze jemand mit Charakter und Gefühlen ist. Genauso selbstverständlich, wie ein Huhn sich um seine Küken sorgt und sie beschützt und ebensowenig wie der Hund getötet werden möchte. Es ist nur fair, für alle dieselben Regeln gelten zu lassen.

Gewohnheiten hinterfragt

Wenn ich also Klein Moritz und Klein Mia verbiete, den Hamster mit Filzstiften zu bemalen, wieso sollte ich ihnen nicht auch verbieten, ohne Notwendigkeit Küken zu vergasen oder Kälber wegzunehmen und ohne Mutter zu mästen und zu töten? Steht das überhaupt in einem Verhältnis? Und wobei wäre da objektiv gesehen die notwendigere Pflicht, einzugreifen? Nur, weil die Kinder nicht wissen, was mit den Tieren passiert, wenn sie verschiedene Produkte essen, ist das keine Ausrede, dass wir, die wir sehr wohl über die Informationen verfügen, nicht Einhalt gebieten. Wie gegensätzlich ist es da, dem Kind beizubringen, den Marienkäfer nicht zu zerquetschen, gleichzeitig soll es aber in Ordnung sein, dem Schweinchen einen Elektroschock zu verpassen und es auszubluten?

Niemand würde dem eigenen Kind erlauben, ein Vogelküken in den Mixer zu werfen und den Knopf zu drücken. Wieso soll derselbe Vorgang okay sein, nur weil wir ihn nicht in der eigenen Küche vollziehen, wenn wir Pfannkuchen mit Eiern zubereiten, die sich ganz simpel auch ohne diese herstellen lassen? Es ist weder notwendig noch schwierig, ein gewaltfreies Vorgehen zu wählen. Und dabei lassen wir den Kindern nicht einmal die Wahl. Wir setzen ihnen ohne zu fragen eine Variante als „normal“ vor, die an Gewalt ihresgleichen suchen muss. Wieso sollten wir?

Freie Entscheidung?

Ersetzen wir spontan ein Chicken Nugget durch ein Stück Welpenbrust, Pferdelasagne oder Katzenschenkel, stünden die meisten Eltern sofort mit einem Verbot auf der Matte. Obwohl auch diese Tiere zur Speisekarte in anderen Ländern gehören. Ziemlich willkürlich vermitteln wir, dass Mitgefühl nur bei ausgesuchten Lebewesen angebracht ist.

Wir geben also der Einfachheit halber Gewohnheiten an unsere Kinder weiter – ohne zu hinterfragen, ob diese sinnvoll sind oder wie diese Gewohnheiten entstanden sind. Wenn Eltern ihre Kinder wirklich „frei entscheiden“ lassen würden, dann stünde auf dem Speiseplan keine Einschränkung an „essbaren“ (im Sinne von nicht giftigen) Tier- und Pflanzenarten. Freie Entscheidung, Würmer zu essen, den Wellensittich oder Haifischflossensuppe? Freie Entscheidung, sich Stopfleber, Froschschenkel oder Kaviar schmecken zu lassen ? Oder haben sie wirklich die freie Entscheidung, bei jeder Mahlzeit stattdessen tierleidfreie Gerichte wie Bratkartoffeln, Nudeln mit Tomatensoße oder Gemüsereis zu naschen? Es gibt ja jeglichen Gaumenschmaus auch ohne dazu benutzte Tiere.

Mit Verboten erreichen wir das Gegenteil?

Eine recht oft angebrachte Ausrede, um sich Konfrontationen zu ersparen, kommt mit der Alltagsfloskel: „Verbote bewirken das Gegenteil“ daher. Gehen wir konsequent mit dieser Ansicht einher, wären jegliche Grenzen und Gesetze obsolet. Natürlich kann auch eine verkehrsberuhigte Straße mit Kindergarten jemanden zum Rasen auffordern. Wer hier mit 80 km/h durchfährt, will vielleicht nicht verstehen oder ist einfach zu ignorant, den guten Grund einzusehen.“ Trotz alledem gilt auch für diese Menschen das Verbot, dort durchzurasen.

Wir sollten unseren Kindern immer unsere Gründe für Verhaltensregeln aufzeigen. Verbote, die ohne Anlass rein durch ein Machtgefüge entstehen, dürfen gerne als nicht zulässig betrachtet werden. Grenzen, die dem Schutz anderer dienen und mit dieser Notwendigkeit erklärt werden, haben jedoch eine sichere Daseinsberechtigung in einem sozialen System.

 

 

Ob Kinder Grenzen annehmen, hängt natürlich immer auch von der Beziehung zu den Eltern, dem Erziehungsstil und dem Charakter oder Entwicklungsstand des Kindes ab. Dies darf jedoch nicht die Voraussetzung dafür sein, dass eine Grenze Gültigkeit hat. Auch geistig benachteiligte Menschen dürfen anderen keinen Schaden zufügen – wenn diese den Anlass dazu nicht verstehen, sind wir in der Verantwortung, dafür Sorge zu tragen, dass sie niemandem weh tun.

Eines ist sicher: Wir unterschätzen kleine Kinder sehr gerne. Selbst Zweijährige verstehen, was ihnen altersgemäß erklärt wird. Und das ist sehr viel mehr, als die meisten wahrhaben möchten. Und so würden wir auch den Zweijährigen eindeutig vermitteln: „Die Katze darfst du nicht hauen!“ anstatt zu verkünden: „Verbote verursachen das Gegenteil.“

Der Level

Haben unsere Kinder denn wirklich alle Informationen, die eine freie Entscheidung voraussetzen könnte? Stellen wir uns einmal vor, wir sind in einem Lokal und unser Liebling zeigt auf das Stopflebergericht. Selbst zu Zeiten, in denen ich noch „alles“ aß – niemals wäre ich am selben Tisch mit einer Person sitzen geblieben, die dieses Gericht bestellt. Und nur deshalb, weil ich den Level der komplett unnötigen Gewalt als nicht vertretbar eingestuft habe. Es gibt ja genug anderes.

Aber welche unnötige Gewalt und welches unnötige Töten ist denn nun mit unseren Werten vereinbar? Ist ein niedriger Gewaltlevel denn keine Gewalt? Und auf welchem Level sollte sich unnötiges Töten eigentlich befinden? Ist das Wegnehmen des Kalbs, das die Kuh gerade geboren hat, keine unnötige Gewalt? Wird das Huhn mit notwendigerer Gewalt getötet als das Hermelin für einen Pelzbesatz? Es gibt inzwischen unvorstellbar viel Zugang zu leckeren pflanzlichen Gerichten, jedes Rezept ist im Internet verfügbar. Kein Tier wird mehr getötet, weil wir sonst verhungern würden.

 

Schutzauftrag

Niemand lässt seine Kinder also durchweg frei entscheiden. Vor allem nicht kleine Kinder. Niemand sollte die Wahl haben, frei entscheiden zu dürfen, jemandem zu schaden. Wir lassen kleine Kinder nicht frei entscheiden, Eigentum von anderen zu entwenden, mit Steinen zu werfen, zwölf Stunden am Tag in den Fernseher zu schauen oder nicht ins Bett gehen. Auch lassen wir sie nicht bei Minusgraden in der Badehose einen Schneemann bauen oder an der Hauptstraße alleine herumhüpfen. Wir passen auf sie – und die anderen – auf.

Kinder entscheiden auch nicht selbst, ob sie Cola trinken, Zigaretten rauchen oder ob sie mit einem Jahr überhaupt schon oder unbegrenzt Süßigkeiten essen dürfen. Sie entscheiden nicht einmal, ob es zu Hause viel oder wenig Obst und Gemüse gibt. Und eine riesige Vielzahl an Nahrungsmitteln werden sie nicht testen, weil es diese schlicht in ihrer Familie nicht gibt. Wenn niemand Pilze, Kohlrabi oder Oliven mag, wird in diesem Haushalt eben auch nichts davon zu finden sein. Gehen Sie einmal durch den Supermarkt und schauen Sie bewusst Regale durch nach Lebensmitteln, die Sie noch nie gekauft haben. Erstaunlich.

Eltern entscheiden also in erster Linie immer, was gegessen wird. Egal, ob diese vegan leben oder nicht. Und Eltern setzen Regeln, was nicht gegessen wird. Egal, ob diese vegan leben oder nicht. Die freie Entscheidung ist ein Märchen. Nichts als eine Ausrede, die bei genauerer Betrachtung nicht standhält.

Schnurzegal wer und was gegessen wird, bis…

Merkwürdigerweise mutieren unvegane Menschen auch zu regelrechten Ernährungsexperten, wenn wir unsere Kinder mit viel Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten und allem, was das Herz begehrt – in pflanzlicher Form – großziehen. Feiern andere den Kindergeburtstag im Fast-Food-Lokal oder verweigern deren Kids generell jegliches Obst und Gemüse (was in meinem Bekanntenkreis kein Einzelfall ist), scheint das nicht wirklich zu kümmern oder größere Besorgnis hervorzurufen. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation verarbeitetes Fleisch als krebserregend eingestuft hat, lassen wir unsere Kinder essen, als ginge uns das nichts an. Würde jemand auf die Idee kommen, zu sagen: „Lasst die Kinder rauchen, bis sie alt genug sind, selbst zu entscheiden?“ Wohl kaum. Aber getötete Tiere kauen, bis dies zur alltäglichen Gewohnheit wird, darf nicht angetastet werden.

Selbst wenn es supergesund wäre, Tiere zu essen, müssen wir nicht darauf bestehen, da es zigfach genauso gesunde pflanzliche Nahrung gibt. Wir leben glücklicherweise in einer Zeit, in der wir wirklich die Wahl haben. Keine Nahrungsmittelknappheit, keine Kriegszeiten, Kühlschränke und Gefriertruhen – ein Überfluss an Lebensmittelauswahl.

Nur nebenbei erwähnt

Wir waren uns doch eigentlich schon einig: Jeder möchte das Beste für sein Kind. Niemand möchte ihm schaden. Warum gehen dann viele Menschen davon aus, dass Veganer so gemein sind, ihren Kindern schaden zu wollen? Genau die Menschen, die sich selbst hintanstellen, weil sie der Überzeugung sind, dass ihr Wohlergehen nicht über dem anderer Lebewesen steht.

Damit unsere Kinder gesund aufwachsen, schauen wir in der Regel sogar bewusster auf die Ernährung und beschäftigen uns mehr damit als der Durchschnitt anderer Eltern. Um sicherzugehen, dass es an nichts mangelt, werden ebenso öfter die Blutwerte kontrolliert, selbst wenn die Kinder quietschfidel und kerngesund sind. Bei anderen Kindern, denen man an der Frühstücksbox ansieht, dass sie nicht wirklich gesund aufwachsen, ruft kurioserweise niemand gleich nach der Polizei…

Dass man sich und die Kinder ungesund und mangelhaft ernähren kann, ist unbestritten. Dies gilt für Allesesser, Vegetarier und Veganer allerdings gleich. Hier wie dort gibt es Eltern, die nicht aufpassen oder sich nicht informieren. Leider.

In diesem Beitrag soll es jedoch nicht darum gehen, wie gesund oder gesünder eine Mahlzeit ist. Dafür gibt es inzwischen wissenschaftliche Bücher und Studien laufen. Denn hier geht es um:

Mehr als nur Ernährung

Vegan leben und vegan erziehen beschränkt sich eben nicht nur auf Ernährung und Gesundheit. Wir erinnern uns, es geht um ethische Grundhaltungen und Fairness. Wieso sollten wir unsere Werte nicht mit denen teilen, die wir am meisten lieben? Wieso sollten wir eben jenen dabei zusehen, wie sie unwissend für etwas verantwortlich sind, das unserem Herzen komplett entgegensteht? Wäre das nicht sogar gemein? Meine Kinder tragen mir heute noch ein Stück weit nach, dass sie nicht von Beginn an vegan aufgewachsen sind. Als ich Kinder bekam, war ich leider noch nicht vegan.

Als uns dann mit einem Vielfachen mehr an Informationen bewusst wurde, was wir mit unserem Konsum anrichten, mochte ich natürlich auch meine Kinder mit einbeziehen. Genauso, wie ich ihnen freundschaftliches Miteinander und Hilfsbereitschaft vermittelt habe, fand ich es ihnen und den Lebewesen gegenüber, die getötet werden, nur fair, sie aus der Ungerechtigkeit herauszuhalten und ihnen ehrlich aufzuzeigen, wofür wir verantwortlich sind.

 

Spätere Umstellung

Mit zehn Jahren verstand die Ältere, die bereits drei Jahre aus eigenem Antrieb vegetarisch lebte, sofort. Mit sieben Jahren verstand die Jüngere nun zuerst gar nicht, wieso sie plötzlich nicht mehr Omas Hefezopf, der doch so lecker schmeckte, essen sollte. Es war für sie nicht einfach, dass nun neue Regeln gelten würden. Aber sollte ich warten, bis sie besser „versteht“? Und weiterhin zusehen, wie sie Leid konsumiert? Wie unschuldige Lebewesen für ihren Genuss und ihr noch fehlendes Verständnis getötet werden? Das war ziemlich einfach mit meinem Herzen zu beantworten. Täglich zusehen oder die Augen verschließen und einfach geschehen lassen, war keine Option.

Also erklärte ich nicht nur, ich zeigte. Eine kurze Sequenz, was es für männliche Küken bedeutet, in der Eierindustrie geboren zu werden, reichte schon. Was für sie vielleicht bisher wie eine unreale Geschichte anmutete, bekam nun ein Gesicht. Viele Gesichter. Sie konnte es gar nicht fassen, dass so etwas passiert, und niemand etwas dagegen unternahm. Die Konsequenz und das Ausmaß waren ihr zuvor einfach nicht bewusst gewesen. Seit diesem Moment hat sie von selbst nie mehr wieder etwas Tierisches essen wollen.

Mit zwölf fragt sie heute lieber zweimal nach, wenn sie außerhalb bei Freunden isst, welche Zutaten im Essen sind. Selbst bei pflanzlichen Alternativen, die nach Tier schmecken, mag sie nicht zugreifen. „Da muss ich immer an die armen Hühner denken.“ Habe ich ihr dadurch etwas vermiest? Die Gewalt, die ihr nicht bewusst war? Weil ich ehrlich war oder weil sie die Realität hat sehen dürfen? Weil ich an ihr Mitgefühl appelliert habe oder weil ich nicht wollte, dass sie Mitschuld an unnötiger Gewalt trägt? Ich habe nur gezeigt, was anderen Kindern verschwiegen wird. Anderen, die vielleicht nicht einmal wissen, dass ihr Essen einmal gelebt hat.

Jeder Kuchen lässt sich genauso lecker pflanzlich backen.

 

Wann wird Grausamkeit akzeptabel?

Einige Menschen sind der Ansicht, man könne Kindern nicht zumuten, zu zeigen, wie ein Schnitzel entsteht. Sie finden es grausam und verstörend. Aber ist es nicht absolut unlogisch, dass wir etwas, das wir Kindern nicht zeigen wollen, weil wir es selbst als grausam und traurig empfinden, trotzdem zulassen und dann einfach verschweigen? Wenn wir kein schlechtes Gewissen hätten, könnten wir doch von klein auf die Kinder zur Schlachtung mitnehmen. Aber sogar die Bauern, die ich kenne, die selbst schlachten dürfen, warten ein gewisses Alter bei ihren Kindern ab, bis diese dabei sein dürfen.

Wenn wir denken, Kinder würden das nicht verkraften, warum ist es dann trotzdem in Ordnung, ihnen genau das zu geben und dafür zu zahlen, dass es passiert? Warum können wir nicht einfach ehrlich sein? Wir zeigen es nicht, weil wir es selbst verdrängen wollen. Wir haben Angst, dass unsere Kinder Fragen stellen. Angst, dass unsere Kinder uns als „böse“ Menschen ansehen könnten. Angst, sie könnten keine Tiere mehr essen wollen. Am liebsten hätten wir, dass all das gar nicht passiert.

Der krasse Gegensatz

Kinder haben sehr früh Mitgefühl für Tiere. Ihre Lebenswelt dreht sich in Bilderbüchern, Geschichten und Filmen um tierische Hauptdarsteller. Wir zeigen Bauernhofbilderbücher, die derart unreal sind, dass sie Märchen gleichkommen. Wir freuen uns, wenn die Kinder fröhlich „Muh“ rufen, wenn sie eine Kuh sehen und ihr liebstes Kuscheltier ein Schaf oder ein Ferkel ist. Und wir fiebern mit, wenn wir Bambi, Schweinchen Babe oder Findet Nemo anschauen. Um ihnen anschließend Fischstäbchen in Dino-Optik zu servieren. Betrügerischer und hinterhältiger könnten wir dabei nicht sein. Wir lehren sie, Tiere zu lieben. Und verfüttern deren tote Körper zu lachenden Gesichtern verarbeitet zwischen Brötchenhälften. Wir gehen davon aus, dass Kinder irgendwann „schon wissen“, dass sie Tiere essen. Schließlich heißt es ja Schweineschnitzel und das Kindermenü „Nemo“. Aber ist in Kinder-Pingui auch ein Pinguin? In Gummibärchen Bären?

Wir lassen die Tatsachen ja nicht einmal an uns Erwachsene zu nah heran. Wie viele Erwachsene haben selbst noch ein tragisches Erlebnis aus der Kindheit – der liebste Stallhase war plötzlich nicht mehr da. „Gestorben“ oder „Weggelaufen“ und später erfuhr man, dass der Arme beim Mittagessen im eigenen Magen landete. Muss das wirklich sein? Und wenn das traurig ist, wieso sollte das Schicksal von Milliarden anderen Lebewesen, nur weil sie nicht die „eigenen“ geliebten waren, unbedeutender sein?

 

Warten auf Verständnis?

Wenn Kinder noch kleiner sind, möchten viele „warten“, bis das Kind versteht. Aber würden wir wirklich schädliche Handlungen gegenüber Dritten oder sich selbst solange akzeptieren, bis es genug Verständnis aufbringt? Also gar nicht Zähne putzen, das Haustier triezen und das Nachbarskind beißen, bis es versteht? Nein – wir würden Regeln aufstellen. Grenzen zum Schutz. Auch von Dritten. Und ein bisschen Hauen, ein bisschen was Kaputtmachen oder ein bisschen Treten ist eben genauso wenig okay wie ein bisschen Quälen oder ein bisschen Töten. Das funktioniert nicht.

Nachdem das so klar und eindeutig war, hat sich auch die Umgebung bei uns darauf eingestellt. Es wurde von Familie und Freunden nichts Unveganes mehr geschenkt, nichts Unveganes mehr angeboten. Familienfeste werden immer häufiger überwiegend oder komplett vegan. Bei uns gibt es sowieso ausschließlich Veganes. Es gibt eben keine Ausnahme für Gewalt. Es gibt kein „ausnahmsweise mal Schreddern ist okay“. Keine Ausrede, der Genuss eines Kuchens aus tierischen Zutaten stehe über dem Tod des Kälbchens.

 

Status quo

Leider ist die Gesellschaft bereits besetzt von der Annahme, Veganismus sei extrem. Die Norm, die uns die Gewohnheit, die Verfügbarkeit, die Industrie und die Werbung vorgaukeln, beeinflusst uns, diese Norm erst gar nicht zu hinterfragen. Eine Riesenlobby hat Interesse daran, dass friedliches Leben nicht zur Normalität wird. Fragen wir uns nämlich, welche Haltung die neutralere ist, dann müssten wir eingestehen:

Wenn wir vegan aufwachsen und uns später dafür entscheiden, weiter vegan zu leben – dann passt alles. Fangen wir dann an, Tiere zu essen, haben wir zumindest bis dahin niemandem geschadet.
Wenn wir damit aufwachsen, Tiere auszunutzen und zu essen und uns später dafür entscheiden, vegan zu werden – dann müssen wir damit leben, Schaden angerichtet zu haben. Es tut weh, zu erkennen, dass man entgegen den eigenen Werten gelebt hat. Und man wird die Eltern fragen, wieso sie das ohne mit der Wimper zu zucken zugelassen haben. Noch trauriger: Wenn die Eltern bereits vegan leben und um die Informationen und Hintergründe verfügen und trotzdem ihr Kind zum Tiere essen erziehen, in der irrigen Annahme, es müsse Gewalt ausprobieren und Leid selbst entscheiden dürfen. Oft nur deshalb, um Konfrontationen mit der Gesellschaft zu vermeiden.

Stolpersteine

Natürlich ist es nicht immer einfach. Im Kindergarten darauf zu bestehen, dass das Kind keine Tierprodukte essen soll, wird – je nachdem, welche Menschen dort tätig sind – eventuell auch schonmal zum Spießrutenlauf. Das liegt dann aber leider am Unverständnis und mangelnden Informationen der Personen dort. Wir würden in der Regel ja auch darauf bestehen, dass unsere Kinder dort keine Pferdelasagne und kein Hundesteak serviert bekommen. Bei muslimischen Kindern wird darauf genauso Rücksicht genommen wie bei Allergien oder Intoleranzen. Wieso also ist es für Kitamitarbeiter oft so schwierig, zu akzeptieren, dass Menschen kein unnötiges Leid konsumieren möchten? Sollten sie nicht Interesse daran haben, die Gefühle der Kinder nicht zu verletzen, und dankbar sein, dass Empathie bereits im Elternhaus ein wichtiger Bestandteil ist?

In Portugal ist es inzwischen sogar gesetzlich geregelt, dass in öffentlichen Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Krankenhäusern oder Altenheimen ein veganes Gericht angeboten werden muss. Das Minimum an Respekt gegenüber veganen Menschen.

Und natürlich kann es sein, dass Teenager strikt weiterhin Tierprodukte konsumieren wollen. Deshalb werden wir ihnen sicher nicht unsere Liebe verweigern – natürlich lieben wir sie! Je älter die Kinder sind, desto konditionierter sind sie in ihren bisherigen Gewohnheiten. Desto mehr beeinflussen die Freunde das Verhalten. Ist es als Student vielleicht sogar „cool“, auf Tierprodukte zu verzichten, kann es anders auch als Schwäche ausgelegt werden, und wer möchte schon plötzlich als Freak gelten?

Niemand, der sein Kind liebt, möchte es in eine Außenseiterrolle hineinstoßen. Kein Thema. Aber seien wir doch einmal ehrlich: Sind Freunde, die einen verstoßen oder auslachen, weil man etwas anderes isst bzw. nicht töten möchte, wirkliche Freunde? Und sind diese dann mehr wert als Milliarden Lebewesen, die dafür bezahlen? Würde ich für einen dieser tollen Freunde auch meine Katze erstechen? Wieso sollte ich dann ein Kalb dafür töten?

Den Fokus nicht verlieren

Ja, es ist für einen Erwachsenen schon schwierig, mit den ewig gleichen dummen Sprüchen zu kämpfen. Unsere Kinder haben es da nicht unbedingt einfacher. Aber sie haben einen entscheidenden Vorteil: Wir stehen hinter ihnen. Wir können ihnen Halt geben. Sie können uns fragen, was an Vorurteilen und Sprüchen dran ist. Sie haben die Chance, all das früh zu lernen und damit umzugehen, damit sie selbstsichere Erwachsene werden.

Je selbständiger und älter die Kinder werden, desto weniger Einfluss haben wir. Konnten wir in Kindergarten und Grundschule noch weite Teile mitbestimmen, die uns wichtig sind – Bettgehzeiten, Freizeitaktivitäten, Umgang mit Geld, Fernsehkonsum, Alkohol etc., werden zunehmend automatisch die Grenzen weiter und die Flügel größer.

Regeln, die im Haus gelten, können wir jedoch nach wie vor setzen. Zum Beispiel keine Tierprodukte im Kühlschrank bzw. in unserem Haus. Und wir müssen weder für unsere Kinder noch für andere Tierisches kaufen oder sogar zubereiten. Wieso sollten wir den Genuss unserer Kinder über das Töten von Lebewesen stellen? Warum sollten wir ihnen Leid finanzieren? Weshalb sollte es jetzt plötzlich die eigene Entscheidung sein, unnötiges Leid und Tod sogar in unser Haus zu bringen?

Wir können sie lieben und ihnen sogar gerade eben deshalb Einhalt gebieten. Genauso wenig, wie wir akzeptieren würden, dass sie in ihren Zimmern Tiere quälen oder Freunde bedrohen, genauso wenig müssen wir akzeptieren, dass auftragsmäßig im Schlachthof Mensch und Tier ausgebeutet und ihres Lebens beraubt werden. Und das dürfen wir immer wieder liebevoll und dennoch bestimmt erklären. Wir möchten mit diesen Regeln schließlich nicht „böse“ gegenüber unseren Kindern handeln. Im Gegenteil. Wir sollten uns nie einreden lassen, dass Nichttöten falsch ist. Soweit wir darauf bestehen können, dass Schwächere nicht ausgenutzt werden, egal ob Mensch oder Tier, sollten wir nichts unversucht lassen, auch dafür zu sorgen. Das ist einfach nur fair.

Nein, das wird nicht bei allen reibungslos funktionieren. Und wenn ein Elternteil nicht dieselben Werte lebt, wird es mit Sicherheit noch schwieriger werden. Aber jeder einzelne Mensch – egal welchen Alters – zählt. Wer möchte einem Schwein in die Augen sehen und sagen: Sorry – mein Kind braucht eben noch Zeit? Wir zwingen dem Schwein den Tod auf. Wenn Gewalt herrscht, dürfen wir nicht auf Frieden bestehen? Sollten wir nicht drauf bestehen? Für uns alle?

Recht auf Zukunft

Unsere Kinder sollten uns es wert sein, für eine friedliche Zukunft einzustehen, in der nicht jedes Jahr 74 Milliarden Landlebewesen aus purer Esslust heraus überzüchtet, gemästet und getötet werden.
Unsere Kinder sollten es uns wert sein, dass wir für ihre Zukunft kämpfen. Alleine die Klimabelastung der Nutztierhaltung, die enorme Wasserverschwendung und Verschmutzung, Antibiotikaresistenzen, Regenwaldabholzung, Menschenrechtsverletzungen und der riesige Landverbrauch könnten jeder für sich als triftiger Grund herhalten, seine Familie pflanzlich zu ernähren. Wir wollen ihnen ihre Zukunft schließlich nicht heute verfüttern, auf dass es kein Morgen mehr für sie gibt.
Niemand sollte die Wahl haben, Ressourcen nachhaltig und fahrlässig für alle zu zerstören.

Und niemand sollte die Wahl haben dürfen, zu töten.
Weder Erwachsene noch Kinder.

 


Ergänzend zum Lesen:

Portugal, veganes Essen in allen öffentlichen Einrichtungen

Ernährungsgesellschaft (US-amerikanische Academy of Nutrition and Dietetics, A.N.D.)

Buchempfehlung Vegane Ernährung in der Schwangerschaft, vorgestellt auf der DGE-Fachtagung zur veganen Kinderernährung

Buchempfehlung Vegan-Klischee ade

Ernährungsgesellschaften USA, Portugal, Kanada, Australien

Anspruch auf veganes Essen in Kitas