Tiere töten für den Artenschutz?

“Im Tiergarten Nürnberg mussten 60 Tiere getötet werden“ titelt Nordbayern.de.

Wie kann das denn sein? Wenn man eine Art erhalten möchte, sollten doch gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. So z.B. ein Lebensraum mit ausreichend Nahrung usw., eine Population die groß genug ist, um eine Vermehrung ohne Erbschäden durch Inzucht zu gewährleisten und dann natürlich die Vermehrung selbst.

Artenschutz

Stattdessen setzen Zoos vielmehr auf stabile Populationen in den Zoos. Quasi Konservenpopulationen. Bei der Fortpflanzung werden regelmäßig mehr Tiere auf die Welt geholt, als für die Erhaltung einer Anzahl von Individuen eigentlich notwendig wären. Denn es könnte ja sein, dass Jungtiere sterben oder wegen einer Behinderung oder Krankheit eingeschläfert werden müssen, von den Müttern nicht angenommen werden und in Handaufzucht nicht durchkommen.

Kommen nun mehr Tiere durch, werden die überzähligen vermittelt oder getötet. Die Bedürfnisse der einzelnen Tiere zählen also nicht. Nur die Besucherzahlen der Zoos.

Dies ist nicht nur an diesem zynischen “Töten für den Artenschutz” erkennbar, sondern auch daran, dass Zoos zu gern Tierkinder präsentieren.
Ist wieder ein Schwung putziger Wonneproppen auf dieser Welt angekommen, müssen auch oftmals ältere Tiere über die Klinge springen, um Platz für die Neuankömmlinge zu schaffen.

Neben all diesem ethisch zweifelhaften Verhalten, ist auch der vermeintliche Artenschutz zu hinterfragen.
Warum finden sich in Zoos so wenig Arten der roten Liste

  1. Wirbeltiere
  2. Meeresorganismen
  3. Wirbellose Tiere

Warum nimmt man nicht die gefährdeten Tiere Deutschlands auf? Immerhin wäre es leichter, ihnen die passenden Klimatischen Bedingungen usw. zu bieten.
Und warum stattdessen so viele, fraglos niedliche oder imposante Tiere, die noch nicht einmal in deutsches Klima gehören? Lebewesen, die man, selbst bei Erhalt oder Wiederherstellung ihres eigentlichen Lebensraumes nicht auswildern könnte, weil sie z. B. nicht mehr an Parasiten und Keime in der Heimat angepasst sind, benötigte Verhaltensweisen nicht ausreichend erlernen oder ausüben konnten, durch die Gewöhnung an Menschen zukünftig sogar zu einer Gefahr für diese werden könnten.

Zoos werfen nicht nur bezüglich ihrer Feigenblätter Bildungsauftrag und Arterhalt Fragen auf. Nein, sie werfen auch ethische Fragen auf, denen sich niemand einfach entziehen kann.
In einem Zoo werden denkenden, fühlenden Tiere die Möglichkeiten zur Ortswahl, zur Wahl der Artgenossen und Partner, der Fortpflanzung und Ernährung genommen. Hinzu kommt, dass auch bei völlig gesunden Tieren der Tod angeordnet wird, wenn der Platz nicht mehr reicht und kein anderer Zoo Bedarf hat.

Im 21. Jahrhundert sollte es keine Zoos mehr geben. Vielmehr einen starken Einsatz für die Erhaltung von Lebensräumen, den Schutz von Wildtieren und eine Sensibilisierung von Menschen jedes Alters für die Bedürfnisse von Individuen.

Über Hella

Ich arbeite im NRO-Bereich und nutze meine Freizeit gern für Tierrechtsaktivitäten.

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