Wir haben doch ein Tierschutzgesetz "legale" Selbstverteidigungsstrategien

 
Macht man auf das Elend der Tiere, besonders derer, die als Nutztiere bezeichnet werden, aufmerksam, fällt oft ein Satz: “Wir haben doch ein Tierschutzgesetz”. Mit grosser Überzeugung ausgesprochen, stehen hinter diesem Satz eine ganze Reihe von Selbstverteidigungsstrategien.
“Wir haben doch ein Tierschutzgesetz” verweist nicht nur darauf, dass es gesetzliche Regelungen gibt, sondern soll auch beweisen, dass für die Tiere doch bestmöglich gesorgt sei.
 
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Davon ab, dass der Vollzug des Gesetzes kaum überprüft werden kann, da die Menge der gehaltenen Tiere die Kapazitäten aller Kontrollinstanzen übersteigt, ist das Tierschutzgesetz mit sämtlichen dazugehörigen Verordnungen, immer nur der Kompromiss zwischen Tierschutz und Wirtschaft. Sprich: die Interessen der Tiere schlagen sich darin nur so weit nieder, wie sie von ihren Interessenvertretern eingebracht und von der Wirtschaft als gerade noch akzeptabel angesehen werden.

 
 
Zwei Punkte stehen also dem tatsächlichen Schutz von Leben und körperlicher Unversehrtheit, den absoluten Basisrechten, entgegen:
 
  • die seichten Absichten einiger Tierschützer
  • das wirtschaftliche Interesse daran, Tiere für Nahrungs-, Bekleidungs-, Test- oder Unterhaltungszwecke zu benutzen
 
Sollten nicht Tierschützer im Sinn haben, die Tiere vor Überzüchtung, Gefangenschaft, Ausbeutung und viel zu frühem Tod im Zoo, Schlachthof oder Labor zu schützen? Die Vertreter_innen von Tierschutzorganisationen, die in Entscheidungsgremien in Bezug auf die Tierschutzgesetzgebung entsandt werden, schätzen bisweilen ihren Appetit auf Tierfleisch, ihren Genuss an der Jagd oder ihre Freude an der Tierzucht höherwertig ein, als die Basisrechte von Tieren. So setzen sie sich zumeist nur für eine Verringerung von zucht-, haltung- und tötungsbedingten Qualen, jedoch nicht für die komplette Abschaffung derer ein.
 
 
Und warum hat die Wirtschaft nun so viel mitzureden? Sie hat so viel Mitsprache, da sie ja die Behandlung der Tiere umsetzt. Eine Bevölkerungsmehrheit wünscht sich Tierfleisch, Tiermilch, Eier, süsse Hunde- und Katzenwelpen, Pferdeshows und Botox-Anti-Falten-Behandlungen: dann bekommt sie diese auch. Die Umsetzung übernehmen dann die Erzeuger, Verarbeiter und Labore.
An Basisrechte für Tiere kann dort natürlich keiner denken, bräche damit doch das eigene Geschäft weg. Also wird gefeilscht: “Was kann ich meinen Kunden als positive Veränderung verkaufen? Was zahlen mir meine Kunden, bevor sie abwandern?” Kann ich die Hühnerhaltung vom Käfig auf Freiland umstellen? Oder wird dann das südamerikanische Käfigei importiert und in Keksen und Nudeln denen verkauft, die ja nuuur Eier mit der bedruckten Null kaufen?
 
 
Diese beiden Punkte beachtend wird klar, dass das Tierschutzgesetz nicht dazu da ist, Tieren tatsächlich Schutz zu bieten, sondern dazu, die grössten Belastungen des menschlichen Gewissens zu beruhigen und die Produktion zwar wirtschaftlich zu halten, aber mit einem Märkchen auszustatten “Bessere Tierhaltung als in XY, dank Tierschutzgesetz”.
 
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Wären Tiere ohne unser Tierschutzgesetz besser dran, als mit? Sicher nicht. Bedeutet das Tierschutzgesetz, dass es den Tieren nun gut geht? Nein: die Tierarten, die heute in Brütereien, Besamungsstationen, Mastanlagen, Laboren, Zoos, Zirkussen, Tiertransporten, bei der Jagd, in etlichen privaten Haushalten, Schlachthöfen usw. leiden, können erst aufatmen, wenn wir diese Ausbeutung so weit abgeschafft und uns von einer Nutzung zu einer Koexistenz weiterentwickelt haben . Wird das einfach? Nein, einfach wird das nicht, da es nicht nur einen massiven Umbruch in unserem Konsum bedeutet, sondern auch noch weitreichende Diskussionen und Entwicklungen in Bezug auf ein Zusammenleben mit möglichst wenigen Schäden und Toten bei Menschen und anderen Tieren mit sich bringt. Aber das sollte uns nicht davon abhalten, weiterhin den maximalen Schutz der Tiere, abseits von wirtschaftlichen Interessen, vehement zu fordern.

Über Hella

Ich arbeite im NRO-Bereich und nutze meine Freizeit gern für Tierrechtsaktivitäten.

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