Veganswer https://veganswer.de/ Fri, 01 Jul 2022 19:13:25 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.0.2 https://veganswer.de/wp-content/uploads/2021/05/cropped-website-logo-32x32.png Veganswer https://veganswer.de/ 32 32 Kinder und Tiere – Eine Liebe, die nicht auf dem Teller enden sollte https://veganswer.de/kinder-und-tiere-eine-liebe-die-nicht-auf-dem-teller-enden-sollte/ Wed, 21 Aug 2019 16:03:23 +0000 http://veganswer.de/?p=3572 Ich denke, wir sind uns einig… Haben Sie Kinder?Lieben Sie Ihre Kinder?Möchten Sie das Beste für Ihre Kinder?Schauen Sie darauf, dass Ihre Kinder gesund und fröhlich aufwachsen können?Legen Sie Wert darauf, ehrlich zu Ihren Kindern zu sein?Vermitteln Sie Ihren Kindern das, was Ihrer Auffassung nach wichtig ist? Werte, die Ihnen sinnvoll erscheinen?Ist Ihnen die Zukunft […]

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Ich denke, wir sind uns einig…

Haben Sie Kinder?
Lieben Sie Ihre Kinder?
Möchten Sie das Beste für Ihre Kinder?
Schauen Sie darauf, dass Ihre Kinder gesund und fröhlich aufwachsen können?
Legen Sie Wert darauf, ehrlich zu Ihren Kindern zu sein?
Vermitteln Sie Ihren Kindern das, was Ihrer Auffassung nach wichtig ist? Werte, die Ihnen sinnvoll erscheinen?
Ist Ihnen die Zukunft Ihrer Kinder wichtig?

Wenn Sie bis hierhin verwundert mit „Ja, selbstverständlich!“ geantwortet haben, dann sind wir uns schonmal einig. Meine Kinder sind für mich das Wundervollste, das ich auf dieser Welt erleben und begleiten darf. Ich liebe sie unendlich und wünsche mir, dass sie gesund aufwachsen und später einmal eine lebenswerte Zukunft haben. Ich hoffe, sie können mit den Werten, die ich ihnen vermittle, selbstbewusst, mitfühlend und wahrheitsliebend die Welt zu einem besseren Ort machen und fröhlich und friedlich darin leben.

Falls Sie keine Kinder haben: Wenn Sie bis zu dieser Stelle nachvollziehen können, dass Eltern diese Punkte (im Normalfall) wichtig sind, dann belegen auch wir eine gemeinsame Basis.

Wir übernehmen Verantwortung

Als Eltern sind wir dafür verantwortlich, wie unsere Kinder aufwachsen. Wir sind Vorbilder, ob wir das wollen oder nicht. Wir sind für ihren Schutz verantwortlich und wir sind diejenigen, die auf ihre Fragen Antworten geben. Eltern begleiten ihre Kinder in die Welt. Sie hören zu und erklären, trösten und machen Spaß, beschützen und motivieren, spielen und begleiten den Weg ins Leben. Eltern versorgen ihre Kinder mit allem Notwendigen wie Nahrung, Kleidung, Wohnung, Betreuung – viel wichtiger aber noch mit Werten wie Liebe, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft.

Wir stimmen immer noch überein, nicht wahr? Ich zumindest bin noch niemandem begegnet, der sein Kind zu einem selbstsüchtigen, mit Ellenbogen kämpfenden egoistischen Menschen erziehen möchte. Zumindest nicht vorsätzlich.
All das ist grundsätzlicher Konsens. All das leuchtet Menschen im Allgemeinen ein. Auch wenn die Umsetzung nicht immer ganz so einfach ist, wie alles klingt. Und leider unterscheidet sich die gute Absicht oft auf vielfältige Art und Weise: Manche sind geradlinig und ehrlich, andere bewirken unbewusst teilweise durch kognitive, emotionale oder zeitliche Überforderung das genaue Gegenteil. Und doch ist allen eines in der Regel gemeinsam: Die Liebe!

Ethische Grundprinzipien

Liebe verspürte ich schon, bevor ich Kinder hatte. Zu Menschen, zu Tieren, zur Natur. Und wer mit dem Herzen sieht, dem fallen Ungerechtigkeiten bitter auf. Ob dies hungernde Kinder sind, gequälte Tiere oder verschmutzte Natur – um all das falsch zu finden, benötigen wir kein übermäßiges Helfersyndrom. Die Erkenntnis, dass etwas ungerecht ist, sollte in einem Gesellschaftssystem, das auf miteinander Leben und sozialen Gefügen basiert, generell den Wunsch in uns auslösen, für Fairness zu sorgen. Konsequent zu Ende gedacht, ist Veganismus das moralische Mindestmaß: Niemandem absichtlich und vorsätzlich Schaden zuzufügen, ist im Grunde ein gesellschaftlich anerkanntes ethisches Grundprinzip.

Sobald dieses Prinzip einen Namen bekommt, gilt es merkwürdigerweise für viele Menschen nicht mehr auf dieselbe Weise. Eine Reihe Abwehrmechanismen setzen ein, um eigenes, nicht adäquates Verhalten zu rechtfertigen. Nachvollziehbar, denn sich einzugestehen, dass man noch nicht nach der grundlegenden ethischen Frage, der man „eigentlich“ zustimmt, lebt, wäre ein Eingeständnis, bisher etwas versäumt zu haben. Für die eigene Person bereits ein schwieriges Unterfangen, bei der Frage nach den Kindern setzt uns der Beschützerinstinkt jedoch noch eins obendrauf. Schließlich sind wir ja verantwortlich und wollen nur das Beste. Also wird gerne auf Angriff als die beste Verteidigung geschaltet. Und dieser Angriff setzt meist unbewusst schon damit ein, wenn jemand erklärt: „Meine Kinder sind vegan.“

Hilfe.
Dürfen die das?
Können die das? Wollen die das?
Sollten sie das? Haben sie das selbst entscheiden dürfen?
Ihr zwingt ihnen eure Lebensweise auf.
Kindesmisshandlung. Verbieten.

Sie wollen weiterlesen? Super!

Wem es möglich ist, objektiv darauf zu schauen, wieso Menschen ihre Kinder vegan aufwachsen lassen, sei eingeladen, sich hier noch weiter damit zu befassen.
Natürlich setzt das voraus, dass wir uns immer und immer wieder die Definition in Erinnerung rufen, die unsere Wertvorstellungen – nicht nur im Veganismus – prägt:
Wenn wir fröhlich und gesund leben können, ohne anderen (Menschen, Tieren und der Natur) zu schaden oder sie auszunutzen, dann sollten wir das so gut wie möglich tun. Wenn wir die Wahl zwischen Leben lassen und Töten haben, sollten wir uns für die friedliche Variante entscheiden. Wenn wir die Ressourcen der Natur schützen und Lebensräume für Tiere und Menschen – unsere Kinder – bewahren können, dann sollten wir verantwortungsvoll handeln.
Ich möchte meinen Kindern diese Werte vermitteln. Sie auch?

Soziale Regeln nur für Einzelne?

Solange die Kinder noch sehr klein sind, tragen die Eltern dafür Sorge, dass das Kind behütet aufwächst und zugleich anderen nicht schadet. Es darf Geschwister oder andere Kinder nicht zwicken, kratzen oder anderweitig weh tun. Diese Grenzen setzen wir als Erwachsene. Wir möchten auch nicht, dass der kleine Mensch unseren Hund an den Ohren zieht, die Katze am Schwanz reißt oder dem Meerschweinchen in die Augen piekt. Wir wissen, dass jedes Lebewesen Schmerz, Angst und Leid spüren kann, genauso wie unser eigenes Kind, und achten darauf, es zu vermeiden.

Wieso sollten wir nur ein paar Lebewesen in diesen Gedankengang einbeziehen, andere jedoch von vornherein ausgrenzen? Das Schwein darf nicht nur ein kurzes überzüchtetes gequältes Dasein fristen, sondern generell ohne Notwendigkeit getötet werden? Warum machen wir in dem Punkt „Schaden und Leid vermeiden“ Unterschiede? Wenn alle dasselbe fühlen, darf kein Unterschied in der Behandlung bestehen. Definitiv fügen wir dem Schwein Schaden und Leid zu. Wir lassen es töten. Wir geben es in Auftrag. Und wir bezahlen sogar noch dafür. Gleichzeitig schützen wir unseren Hund wie ein Familienmitglied.

Empathie

Meine Kinder machen keine Unterschiede zwischen Hautfarbe oder Spezieszugehörigkeit. Alle möchten einfach nur glücklich leben. Wer in Not ist, dem sollte geholfen werden. Es gibt immer welche, die mag man vielleicht nicht so leiden oder ekelt sich – das ist jedoch kein Grund dafür, denjenigen Schmerzen oder Leid zuzufügen. Niemand kann schließlich etwas dafür, an einem anderen Ort oder als andere Spezies geboren zu sein. Niemand hat sich aktiv ausgesucht, eine große Nase oder Flügel zu haben. Wenn wir selbst an jener Stelle wären, was würden wir uns für uns selbst wünschen? Ist es nicht das, was wir so oft versuchen, Kindern wie auch Erwachsenen zu verdeutlichen? Fairness?

Wer von klein auf Mitgefühl lernt, dem wird es später eine Selbstverständlichkeit sein. Selbstverständlich, dass die Katze jemand mit Charakter und Gefühlen ist. Genauso selbstverständlich, wie ein Huhn sich um seine Küken sorgt und sie beschützt und ebensowenig wie der Hund getötet werden möchte. Es ist nur fair, für alle dieselben Regeln gelten zu lassen.

Gewohnheiten hinterfragt

Wenn ich also Klein Moritz und Klein Mia verbiete, den Hamster mit Filzstiften zu bemalen, wieso sollte ich ihnen nicht auch verbieten, ohne Notwendigkeit Küken zu vergasen oder Kälber wegzunehmen und ohne Mutter zu mästen und zu töten? Steht das überhaupt in einem Verhältnis? Und wobei wäre da objektiv gesehen die notwendigere Pflicht, einzugreifen? Nur, weil die Kinder nicht wissen, was mit den Tieren passiert, wenn sie verschiedene Produkte essen, ist das keine Ausrede, dass wir, die wir sehr wohl über die Informationen verfügen, nicht Einhalt gebieten. Wie gegensätzlich ist es da, dem Kind beizubringen, den Marienkäfer nicht zu zerquetschen, gleichzeitig soll es aber in Ordnung sein, dem Schweinchen einen Elektroschock zu verpassen und es auszubluten?

Niemand würde dem eigenen Kind erlauben, ein Vogelküken in den Mixer zu werfen und den Knopf zu drücken. Wieso soll derselbe Vorgang okay sein, nur weil wir ihn nicht in der eigenen Küche vollziehen, wenn wir Pfannkuchen mit Eiern zubereiten, die sich ganz simpel auch ohne diese herstellen lassen? Es ist weder notwendig noch schwierig, ein gewaltfreies Vorgehen zu wählen. Und dabei lassen wir den Kindern nicht einmal die Wahl. Wir setzen ihnen ohne zu fragen eine Variante als „normal“ vor, die an Gewalt ihresgleichen suchen muss. Wieso sollten wir?

Freie Entscheidung?

Ersetzen wir spontan ein Chicken Nugget durch ein Stück Welpenbrust, Pferdelasagne oder Katzenschenkel, stünden die meisten Eltern sofort mit einem Verbot auf der Matte. Obwohl auch diese Tiere zur Speisekarte in anderen Ländern gehören. Ziemlich willkürlich vermitteln wir, dass Mitgefühl nur bei ausgesuchten Lebewesen angebracht ist.

Wir geben also der Einfachheit halber Gewohnheiten an unsere Kinder weiter – ohne zu hinterfragen, ob diese sinnvoll sind oder wie diese Gewohnheiten entstanden sind. Wenn Eltern ihre Kinder wirklich „frei entscheiden“ lassen würden, dann stünde auf dem Speiseplan keine Einschränkung an „essbaren“ (im Sinne von nicht giftigen) Tier- und Pflanzenarten. Freie Entscheidung, Würmer zu essen, den Wellensittich oder Haifischflossensuppe? Freie Entscheidung, sich Stopfleber, Froschschenkel oder Kaviar schmecken zu lassen ? Oder haben sie wirklich die freie Entscheidung, bei jeder Mahlzeit stattdessen tierleidfreie Gerichte wie Bratkartoffeln, Nudeln mit Tomatensoße oder Gemüsereis zu naschen? Es gibt ja jeglichen Gaumenschmaus auch ohne dazu benutzte Tiere.

Mit Verboten erreichen wir das Gegenteil?

Eine recht oft angebrachte Ausrede, um sich Konfrontationen zu ersparen, kommt mit der Alltagsfloskel: „Verbote bewirken das Gegenteil“ daher. Gehen wir konsequent mit dieser Ansicht einher, wären jegliche Grenzen und Gesetze obsolet. Natürlich kann auch eine verkehrsberuhigte Straße mit Kindergarten jemanden zum Rasen auffordern. Wer hier mit 80 km/h durchfährt, will vielleicht nicht verstehen oder ist einfach zu ignorant, den guten Grund einzusehen.“ Trotz alledem gilt auch für diese Menschen das Verbot, dort durchzurasen.

Wir sollten unseren Kindern immer unsere Gründe für Verhaltensregeln aufzeigen. Verbote, die ohne Anlass rein durch ein Machtgefüge entstehen, dürfen gerne als nicht zulässig betrachtet werden. Grenzen, die dem Schutz anderer dienen und mit dieser Notwendigkeit erklärt werden, haben jedoch eine sichere Daseinsberechtigung in einem sozialen System.

Ob Kinder Grenzen annehmen, hängt natürlich immer auch von der Beziehung zu den Eltern, dem Erziehungsstil und dem Charakter oder Entwicklungsstand des Kindes ab. Dies darf jedoch nicht die Voraussetzung dafür sein, dass eine Grenze Gültigkeit hat. Auch geistig benachteiligte Menschen dürfen anderen keinen Schaden zufügen – wenn diese den Anlass dazu nicht verstehen, sind wir in der Verantwortung, dafür Sorge zu tragen, dass sie niemandem weh tun.

Eines ist sicher: Wir unterschätzen kleine Kinder sehr gerne. Selbst Zweijährige verstehen, was ihnen altersgemäß erklärt wird. Und das ist sehr viel mehr, als die meisten wahrhaben möchten. Und so würden wir auch den Zweijährigen eindeutig vermitteln: „Die Katze darfst du nicht hauen!“ anstatt zu verkünden: „Verbote verursachen das Gegenteil.“

Der Level

Haben unsere Kinder denn wirklich alle Informationen, die eine freie Entscheidung voraussetzen könnte? Stellen wir uns einmal vor, wir sind in einem Lokal und unser Liebling zeigt auf das Stopflebergericht. Selbst zu Zeiten, in denen ich noch „alles“ aß – niemals wäre ich am selben Tisch mit einer Person sitzen geblieben, die dieses Gericht bestellt. Und nur deshalb, weil ich den Level der komplett unnötigen Gewalt als nicht vertretbar eingestuft habe. Es gibt ja genug anderes.

Aber welche unnötige Gewalt und welches unnötige Töten ist denn nun mit unseren Werten vereinbar? Ist ein niedriger Gewaltlevel denn keine Gewalt? Und auf welchem Level sollte sich unnötiges Töten eigentlich befinden? Ist das Wegnehmen des Kalbs, das die Kuh gerade geboren hat, keine unnötige Gewalt? Wird das Huhn mit notwendigerer Gewalt getötet als das Hermelin für einen Pelzbesatz? Es gibt inzwischen unvorstellbar viel Zugang zu leckeren pflanzlichen Gerichten, jedes Rezept ist im Internet verfügbar. Kein Tier wird mehr getötet, weil wir sonst verhungern würden.

Schutzauftrag

Niemand lässt seine Kinder also durchweg frei entscheiden. Vor allem nicht kleine Kinder. Niemand sollte die Wahl haben, frei entscheiden zu dürfen, jemandem zu schaden. Wir lassen kleine Kinder nicht frei entscheiden, Eigentum von anderen zu entwenden, mit Steinen zu werfen, zwölf Stunden am Tag in den Fernseher zu schauen oder nicht ins Bett gehen. Auch lassen wir sie nicht bei Minusgraden in der Badehose einen Schneemann bauen oder an der Hauptstraße alleine herumhüpfen. Wir passen auf sie – und die anderen – auf.

Kinder entscheiden auch nicht selbst, ob sie Cola trinken, Zigaretten rauchen oder ob sie mit einem Jahr überhaupt schon oder unbegrenzt Süßigkeiten essen dürfen. Sie entscheiden nicht einmal, ob es zu Hause viel oder wenig Obst und Gemüse gibt. Und eine riesige Vielzahl an Nahrungsmitteln werden sie nicht testen, weil es diese schlicht in ihrer Familie nicht gibt. Wenn niemand Pilze, Kohlrabi oder Oliven mag, wird in diesem Haushalt eben auch nichts davon zu finden sein. Gehen Sie einmal durch den Supermarkt und schauen Sie bewusst Regale durch nach Lebensmitteln, die Sie noch nie gekauft haben. Erstaunlich.

Eltern entscheiden also in erster Linie immer, was gegessen wird. Egal, ob diese vegan leben oder nicht. Und Eltern setzen Regeln, was nicht gegessen wird. Egal, ob diese vegan leben oder nicht. Die freie Entscheidung ist ein Märchen. Nichts als eine Ausrede, die bei genauerer Betrachtung nicht standhält.

Schnurzegal wer und was gegessen wird, bis…

Merkwürdigerweise mutieren unvegane Menschen auch zu regelrechten Ernährungsexperten, wenn wir unsere Kinder mit viel Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten und allem, was das Herz begehrt – in pflanzlicher Form – großziehen. Feiern andere den Kindergeburtstag im Fast-Food-Lokal oder verweigern deren Kids generell jegliches Obst und Gemüse (was in meinem Bekanntenkreis kein Einzelfall ist), scheint das nicht wirklich zu kümmern oder größere Besorgnis hervorzurufen. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation verarbeitetes Fleisch als krebserregend eingestuft hat, lassen wir unsere Kinder essen, als ginge uns das nichts an. Würde jemand auf die Idee kommen, zu sagen: „Lasst die Kinder rauchen, bis sie alt genug sind, selbst zu entscheiden?“ Wohl kaum. Aber getötete Tiere kauen, bis dies zur alltäglichen Gewohnheit wird, darf nicht angetastet werden.

Selbst wenn es supergesund wäre, Tiere zu essen, müssen wir nicht darauf bestehen, da es zigfach genauso gesunde pflanzliche Nahrung gibt. Wir leben glücklicherweise in einer Zeit, in der wir wirklich die Wahl haben. Keine Nahrungsmittelknappheit, keine Kriegszeiten, Kühlschränke und Gefriertruhen – ein Überfluss an Lebensmittelauswahl.

Nur nebenbei erwähnt

Wir waren uns doch eigentlich schon einig: Jeder möchte das Beste für sein Kind. Niemand möchte ihm schaden. Warum gehen dann viele Menschen davon aus, dass Veganer so gemein sind, ihren Kindern schaden zu wollen? Genau die Menschen, die sich selbst hintanstellen, weil sie der Überzeugung sind, dass ihr Wohlergehen nicht über dem anderer Lebewesen steht.

Damit unsere Kinder gesund aufwachsen, schauen wir in der Regel sogar bewusster auf die Ernährung und beschäftigen uns mehr damit als der Durchschnitt anderer Eltern. Um sicherzugehen, dass es an nichts mangelt, werden ebenso öfter die Blutwerte kontrolliert, selbst wenn die Kinder quietschfidel und kerngesund sind. Bei anderen Kindern, denen man an der Frühstücksbox ansieht, dass sie nicht wirklich gesund aufwachsen, ruft kurioserweise niemand gleich nach der Polizei…

Dass man sich und die Kinder ungesund und mangelhaft ernähren kann, ist unbestritten. Dies gilt für Allesesser, Vegetarier und Veganer allerdings gleich. Hier wie dort gibt es Eltern, die nicht aufpassen oder sich nicht informieren. Leider.

In diesem Beitrag soll es jedoch nicht darum gehen, wie gesund oder gesünder eine Mahlzeit ist. Dafür gibt es inzwischen wissenschaftliche Bücher und Studien laufen. Denn hier geht es um:

Mehr als nur Ernährung

Vegan leben und vegan erziehen beschränkt sich eben nicht nur auf Ernährung und Gesundheit. Wir erinnern uns, es geht um ethische Grundhaltungen und Fairness. Wieso sollten wir unsere Werte nicht mit denen teilen, die wir am meisten lieben? Wieso sollten wir eben jenen dabei zusehen, wie sie unwissend für etwas verantwortlich sind, das unserem Herzen komplett entgegensteht? Wäre das nicht sogar gemein? Meine Kinder tragen mir heute noch ein Stück weit nach, dass sie nicht von Beginn an vegan aufgewachsen sind. Als ich Kinder bekam, war ich leider noch nicht vegan.

Als uns dann mit einem Vielfachen mehr an Informationen bewusst wurde, was wir mit unserem Konsum anrichten, mochte ich natürlich auch meine Kinder mit einbeziehen. Genauso, wie ich ihnen freundschaftliches Miteinander und Hilfsbereitschaft vermittelt habe, fand ich es ihnen und den Lebewesen gegenüber, die getötet werden, nur fair, sie aus der Ungerechtigkeit herauszuhalten und ihnen ehrlich aufzuzeigen, wofür wir verantwortlich sind.

Spätere Umstellung

Mit zehn Jahren verstand die Ältere, die bereits drei Jahre aus eigenem Antrieb vegetarisch lebte, sofort. Mit sieben Jahren verstand die Jüngere nun zuerst gar nicht, wieso sie plötzlich nicht mehr Omas Hefezopf, der doch so lecker schmeckte, essen sollte. Es war für sie nicht einfach, dass nun neue Regeln gelten würden. Aber sollte ich warten, bis sie besser „versteht“? Und weiterhin zusehen, wie sie Leid konsumiert? Wie unschuldige Lebewesen für ihren Genuss und ihr noch fehlendes Verständnis getötet werden? Das war ziemlich einfach mit meinem Herzen zu beantworten. Täglich zusehen oder die Augen verschließen und einfach geschehen lassen, war keine Option.

Also erklärte ich nicht nur, ich zeigte. Eine kurze Sequenz, was es für männliche Küken bedeutet, in der Eierindustrie geboren zu werden, reichte schon. Was für sie vielleicht bisher wie eine unreale Geschichte anmutete, bekam nun ein Gesicht. Viele Gesichter. Sie konnte es gar nicht fassen, dass so etwas passiert, und niemand etwas dagegen unternahm. Die Konsequenz und das Ausmaß waren ihr zuvor einfach nicht bewusst gewesen. Seit diesem Moment hat sie von selbst nie mehr wieder etwas Tierisches essen wollen. Für manche Eltern mag das keine Option sein, den Kindern die Realität zu zeigen und sei es noch so kurz. Aber seien wir ehrlich – ist es besser, die Wahrheit zu beschönigen und zu verheimlichen? Wieviel Leid sehen Kinder oft nebenbei in den Nachrichten oder im Fernsehen? Oder ist es weniger tragisch, Tom und Jerry dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig schlagen und dann ohne Folgen wieder aufstehen? Fragen wir uns dabei, was wir damit vermitteln?

Mit zwölf fragt sie heute jedenfalls lieber zweimal nach, wenn sie außerhalb bei Freunden isst, welche Zutaten im Essen sind. Selbst bei pflanzlichen Alternativen, die nach Tier schmecken, mag sie nicht zugreifen. „Da muss ich immer an die armen Hühner denken.“ Habe ich ihr dadurch etwas vermiest? Die Gewalt, die ihr nicht bewusst war? Weil ich ehrlich war oder weil sie die Realität hat sehen dürfen? Weil ich an ihr Mitgefühl appelliert habe oder weil ich nicht wollte, dass sie Mitschuld an unnötiger Gewalt trägt? Ich habe nur gezeigt, was anderen Kindern verschwiegen wird. Anderen, die vielleicht nicht einmal wissen, dass ihr Essen einmal gelebt hat.

Jeder Kuchen lässt sich genauso lecker pflanzlich backen.

Wann wird Grausamkeit akzeptabel?

Einige Menschen sind der Ansicht, man könne Kindern nicht zumuten, zu zeigen, wie ein Schnitzel entsteht. Sie finden es grausam und verstörend. Aber ist es nicht absolut unlogisch, dass wir etwas, das wir Kindern nicht zeigen wollen, weil wir es selbst als grausam und traurig empfinden, trotzdem zulassen und dann einfach verschweigen? Wenn wir kein schlechtes Gewissen hätten, könnten wir doch von klein auf die Kinder zur Schlachtung mitnehmen. Aber sogar die Bauern, die ich kenne, die selbst schlachten dürfen, warten ein gewisses Alter bei ihren Kindern ab, bis diese dabei sein dürfen.

Wenn wir denken, Kinder würden das nicht verkraften, warum ist es dann trotzdem in Ordnung, ihnen genau das zu geben und dafür zu zahlen, dass es passiert? Warum können wir nicht einfach ehrlich sein? Wir zeigen es nicht, weil wir es selbst verdrängen wollen. Wir haben Angst, dass unsere Kinder Fragen stellen. Angst, dass unsere Kinder uns als „böse“ Menschen ansehen könnten. Angst, sie könnten keine Tiere mehr essen wollen. Am liebsten hätten wir, dass all das gar nicht passiert.

Der krasse Gegensatz

Kinder haben sehr früh Mitgefühl für Tiere. Ihre Lebenswelt dreht sich in Bilderbüchern, Geschichten und Filmen um tierische Hauptdarsteller. Wir zeigen Bauernhofbilderbücher, die derart unreal sind, dass sie Märchen gleichkommen. Wir freuen uns, wenn die Kinder fröhlich „Muh“ rufen, wenn sie eine Kuh sehen und ihr liebstes Kuscheltier ein Schaf oder ein Ferkel ist. Und wir fiebern mit, wenn wir Bambi, Schweinchen Babe oder Findet Nemo anschauen. Um ihnen anschließend Fischstäbchen in Dino-Optik zu servieren. Betrügerischer und hinterhältiger könnten wir dabei nicht sein. Wir lehren sie, Tiere zu lieben. Und verfüttern deren tote Körper zu lachenden Gesichtern verarbeitet zwischen Brötchenhälften. Wir gehen davon aus, dass Kinder irgendwann „schon wissen“, dass sie Tiere essen. Schließlich heißt es ja Schweineschnitzel und das Kindermenü „Nemo“. Aber ist in Kinder-Pingui auch ein Pinguin? In Gummibärchen Bären?

Wir lassen die Tatsachen ja nicht einmal an uns Erwachsene zu nah heran. Wie viele Erwachsene haben selbst noch ein tragisches Erlebnis aus der Kindheit – der liebste Stallhase war plötzlich nicht mehr da. „Gestorben“ oder „Weggelaufen“ und später erfuhr man, dass der Arme beim Mittagessen im eigenen Magen landete. Muss das wirklich sein? Und wenn das traurig ist, wieso sollte das Schicksal von Milliarden anderen Lebewesen, nur weil sie nicht die „eigenen“ geliebten waren, unbedeutender sein?

Warten auf Verständnis?

Wenn Kinder noch kleiner sind, möchten viele „warten“, bis das Kind versteht. Aber würden wir wirklich schädliche Handlungen gegenüber Dritten oder sich selbst solange akzeptieren, bis es genug Verständnis aufbringt? Also gar nicht Zähne putzen, das Haustier triezen und das Nachbarskind beißen, bis es versteht? Nein – wir würden Regeln aufstellen. Grenzen zum Schutz. Auch von Dritten. Und ein bisschen Hauen, ein bisschen was Kaputtmachen oder ein bisschen Treten ist eben genauso wenig okay wie ein bisschen Quälen oder ein bisschen Töten. Das funktioniert nicht.

Nachdem das so klar und eindeutig war, hat sich auch die Umgebung bei uns darauf eingestellt. Es wurde von Familie und Freunden nichts Unveganes mehr geschenkt, nichts Unveganes mehr angeboten. Familienfeste werden immer häufiger überwiegend oder komplett vegan. Bei uns gibt es sowieso ausschließlich Veganes. Es gibt eben keine Ausnahme für Gewalt. Es gibt kein „ausnahmsweise mal Schreddern ist okay“. Keine Ausrede, der Genuss eines Kuchens aus tierischen Zutaten stehe über dem Tod des Kälbchens.

Status quo

Leider ist die Gesellschaft bereits besetzt von der Annahme, Veganismus sei extrem. Die Norm, die uns die Gewohnheit, die Verfügbarkeit, die Industrie und die Werbung vorgaukeln, beeinflusst uns, diese Norm erst gar nicht zu hinterfragen. Eine Riesenlobby hat Interesse daran, dass friedliches Leben nicht zur Normalität wird. Fragen wir uns nämlich, welche Haltung die neutralere ist, dann müssten wir eingestehen:

Wenn wir vegan aufwachsen und uns später dafür entscheiden, weiter vegan zu leben – dann passt alles. Fangen wir dann an, Tiere zu essen, haben wir zumindest bis dahin niemandem geschadet.
Wenn wir damit aufwachsen, Tiere auszunutzen und zu essen und uns später dafür entscheiden, vegan zu werden – dann müssen wir damit leben, Schaden angerichtet zu haben. Es tut weh, zu erkennen, dass man entgegen den eigenen Werten gelebt hat. Und man wird die Eltern fragen, wieso sie das ohne mit der Wimper zu zucken zugelassen haben. Noch trauriger: Wenn die Eltern bereits vegan leben und um die Informationen und Hintergründe verfügen und trotzdem ihr Kind zum Tiere essen erziehen, in der irrigen Annahme, es müsse Gewalt ausprobieren und Leid selbst entscheiden dürfen. Oft nur deshalb, um Konfrontationen mit der Gesellschaft zu vermeiden.

Stolpersteine

Natürlich ist es nicht immer einfach. Im Kindergarten darauf zu bestehen, dass das Kind keine Tierprodukte essen soll, wird – je nachdem, welche Menschen dort tätig sind – eventuell auch schonmal zum Spießrutenlauf. Das liegt dann aber leider am Unverständnis und mangelnden Informationen der Personen dort. Wir würden in der Regel ja auch darauf bestehen, dass unsere Kinder dort keine Pferdelasagne und kein Hundesteak serviert bekommen. Bei muslimischen Kindern wird darauf genauso Rücksicht genommen wie bei Allergien oder Intoleranzen. Wieso also ist es für Kita-Mitarbeiter oft so schwierig, zu akzeptieren, dass Menschen kein unnötiges Leid konsumieren möchten? Sollten sie nicht Interesse daran haben, die Gefühle der Kinder nicht zu verletzen, und dankbar sein, dass Empathie bereits im Elternhaus ein wichtiger Bestandteil ist?

In Portugal ist es inzwischen sogar gesetzlich geregelt, dass in öffentlichen Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Krankenhäusern oder Altenheimen ein veganes Gericht angeboten werden muss. Das Minimum an Respekt gegenüber veganen Menschen.

Und natürlich kann es sein, dass Teenager strikt weiterhin Tierprodukte konsumieren wollen. Deshalb werden wir ihnen sicher nicht unsere Liebe verweigern – natürlich lieben wir sie! Je älter die Kinder sind, desto konditionierter sind sie in ihren bisherigen Gewohnheiten. Desto mehr beeinflussen die Freunde das Verhalten. Ist es als Student vielleicht sogar „cool“, auf Tierprodukte zu verzichten, kann es anders auch als Schwäche ausgelegt werden, und wer möchte schon plötzlich als Freak gelten?

Niemand, der sein Kind liebt, möchte es in eine Außenseiterrolle hineinstoßen. Kein Thema. Aber seien wir doch einmal ehrlich: Sind Freunde, die einen verstoßen oder auslachen, weil man etwas anderes isst bzw. nicht töten möchte, wirkliche Freunde? Und sind diese dann mehr wert als Milliarden Lebewesen, die dafür bezahlen? Würde ich für einen dieser tollen Freunde auch meine Katze erstechen? Wieso sollte ich dann ein Kalb dafür töten?

Den Fokus nicht verlieren

Ja, es ist für einen Erwachsenen schon schwierig, mit den ewig gleichen dummen Sprüchen zu kämpfen. Unsere Kinder haben es da nicht unbedingt einfacher. Aber sie haben einen entscheidenden Vorteil: Wir stehen hinter ihnen. Wir können ihnen Halt geben. Sie können uns fragen, was an Vorurteilen und Sprüchen dran ist. Sie haben die Chance, all das früh zu lernen und damit umzugehen, damit sie selbstsichere Erwachsene werden.

Je selbständiger und älter die Kinder werden, desto weniger Einfluss haben wir. Konnten wir in Kindergarten und Grundschule noch weite Teile mitbestimmen, die uns wichtig sind – Bettgehzeiten, Freizeitaktivitäten, Umgang mit Geld, Fernsehkonsum, Alkohol etc., werden zunehmend automatisch die Grenzen weiter und die Flügel größer.

Regeln, die im Haus gelten, können wir jedoch nach wie vor setzen. Zum Beispiel keine Tierprodukte im Kühlschrank bzw. in unserem Haus. Und wir müssen weder für unsere Kinder noch für andere Tierisches kaufen oder sogar zubereiten. Wieso sollten wir den Genuss unserer Kinder über das Töten von Lebewesen stellen? Warum sollten wir ihnen Leid finanzieren? Weshalb sollte es jetzt plötzlich die eigene Entscheidung sein, unnötiges Leid und Tod sogar in unser Haus zu bringen?

Wir können sie lieben und ihnen sogar gerade eben deshalb Einhalt gebieten. Genauso wenig, wie wir akzeptieren würden, dass sie in ihren Zimmern Tiere quälen oder Freunde bedrohen, genauso wenig müssen wir akzeptieren, dass auftragsmäßig im Schlachthof Mensch und Tier ausgebeutet und ihres Lebens beraubt werden. Und das dürfen wir immer wieder liebevoll und dennoch bestimmt erklären. Wir möchten mit diesen Regeln schließlich nicht „böse“ gegenüber unseren Kindern handeln. Im Gegenteil. Wir sollten uns nie einreden lassen, dass Nichttöten falsch ist. Soweit wir darauf bestehen können, dass Schwächere nicht ausgenutzt werden, egal ob Mensch oder Tier, sollten wir nichts unversucht lassen, auch dafür zu sorgen. Das ist einfach nur fair.

Nein, das wird nicht bei allen reibungslos funktionieren. Und wenn ein Elternteil nicht dieselben Werte lebt, wird es mit Sicherheit noch schwieriger werden. Aber jeder einzelne Mensch – egal welchen Alters – zählt. Wer möchte einem Schwein in die Augen sehen und sagen: Sorry – mein Kind braucht eben noch Zeit? Wir zwingen dem Schwein den Tod auf. Wenn Gewalt herrscht, dürfen wir nicht auf Frieden bestehen? Sollten wir nicht drauf bestehen? Für uns alle?

Recht auf Zukunft

Unsere Kinder sollten uns es wert sein, für eine friedliche Zukunft einzustehen, in der nicht jedes Jahr 74 Milliarden Landlebewesen aus purer Esslust heraus überzüchtet, gemästet und getötet werden.
Unsere Kinder sollten es uns wert sein, dass wir für ihre Zukunft kämpfen. Alleine die Klimabelastung der Nutztierhaltung, die enorme Wasserverschwendung und Verschmutzung, Antibiotikaresistenzen, Regenwaldabholzung, Menschenrechtsverletzungen und der riesige Landverbrauch könnten jeder für sich als triftiger Grund herhalten, seine Familie pflanzlich zu ernähren. Wir wollen ihnen ihre Zukunft schließlich nicht heute verfüttern, auf dass es kein Morgen mehr für sie gibt.
Niemand sollte die Wahl haben, Ressourcen nachhaltig und fahrlässig für alle zu zerstören.

Und niemand sollte die Wahl haben dürfen, zu töten.
Weder Erwachsene noch Kinder.


Ergänzend zum Lesen:

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Armin Rohm: Der Mensch isst aus Gewohnheit Tier (Film) https://veganswer.de/veganswer1/ Sat, 27 Apr 2019 10:32:24 +0000 http://veganswer.de/?p=3538 Wovon handelt der Film? Die meisten Menschen mögen Tiere. Sie vertreten die Auffassung, dass wir Verantwortung für das Wohl der Tiere tragen und ihnen nicht vorsätzlich vermeidbares Leid zufügen dürfen. Gleichzeitig pflegen sie oftmals Konsumgewohnheiten, die genau das erfordern, was sie eigentlich ablehnen, nämlich Tiere ihrer Freiheit zu berauben, sie auszubeuten und zu töten. Wie […]

Der Beitrag Armin Rohm: Der Mensch isst aus Gewohnheit Tier (Film) erschien zuerst auf Veganswer.

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Wovon handelt der Film?

Die meisten Menschen mögen Tiere. Sie vertreten die Auffassung, dass wir Verantwortung für das Wohl der Tiere tragen und ihnen nicht vorsätzlich vermeidbares Leid zufügen dürfen. Gleichzeitig pflegen sie oftmals Konsumgewohnheiten, die genau das erfordern, was sie eigentlich ablehnen, nämlich Tiere ihrer Freiheit zu berauben, sie auszubeuten und zu töten.

Wie bringen es Menschen fertig, immer wieder entgegen ihrer eigenen Werte zu handeln?

Der Vortrag von Armin Rohm beschreibt, wie wir unsere Wahrnehmung der Tierausbeutung durch den Menschen geschickt so verzerren, dass wir die Widersprüchlichkeit unseres Tuns meist gar nicht bemerken. Er beleuchtet, wie unsere Art und Weise zu denken und Entscheidungen zu treffen das Erkennen des Widerspruchs eher erschwert als begünstigt.

Armin Rohm bietet uns eine aufschlussreiche Vorgehensweise an, mit deren Hilfe wir einen ungetrübten Blick auf die Praxis der Tierausbeutung in unserer Gesellschaft und unsere eigene Rolle in diesem Prozess herstellen können. Dadurch werden reflektierte, verantwortliche Entscheidungen in Bezug auf unsere Verhaltensweisen möglich.

An wen wendet sich der Film?

‚Der Mensch isst aus Gewohnheit Tier‘ wendet sich insbesondere an …

  • Menschen, die offen dafür sind, mehr über die eigenen Denk- und Verhaltensmuster zu erfahren, diese zu überprüfen und gegebenenfalls zu verändern.
  • Personen, die sich für das Mensch-Tier-Verhältnis in unserer Gesellschaft interessieren und den eigenen Standpunkt dazu klären möchten.
  • Menschen, die um die Zustände industrieller Tierhaltung wissen, diese ablehnen, aber selbst noch immer tierliche Produkte konsumieren (z.B. Vegetarier*innen).
  • Veganer*innen, die besser verstehen wollen, was so viele vermeintlich tierfreundliche Menschen daran hindert, sich für ein veganes Leben zu entscheiden.
  • Tierrechtsaktivist*innen, die nach hilfreichen Impulsen für ihre Überzeugungsarbeit suchen.

Der Beitrag Armin Rohm: Der Mensch isst aus Gewohnheit Tier (Film) erschien zuerst auf Veganswer.

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„Do you think, you’re better …?“ https://veganswer.de/do-you-think-youre-better/ Mon, 17 Dec 2018 19:22:03 +0000 http://veganswer.de/?p=3212 Wenn anderweitige Argumente fehlen, werden VeganerInnen oft kurzerhand auf emotionaler Ebene beschuldigt: „Du hältst dich wohl für etwas Besseres!“. Dieser Angriff auf die Persönlichkeit und den Charakter eines Menschen trifft diesen natürlich gerne direkt ins Herz. Vor allem, weil er sämtliche sachlichen Argumentationsgrundlagen komplett außen vor lässt. Hinzu kommt, dass sich darauf nicht einfach ohne […]

Der Beitrag „Do you think, you’re better …?“ erschien zuerst auf Veganswer.

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Wenn anderweitige Argumente fehlen, werden VeganerInnen oft kurzerhand auf emotionaler Ebene beschuldigt: „Du hältst dich wohl für etwas Besseres!“. Dieser Angriff auf die Persönlichkeit und den Charakter eines Menschen trifft diesen natürlich gerne direkt ins Herz. Vor allem, weil er sämtliche sachlichen Argumentationsgrundlagen komplett außen vor lässt. Hinzu kommt, dass sich darauf nicht einfach ohne weitere Erklärung antworten lässt, denn es trifft nur ein eindeutiges „Jein“ zu:

„Nein, ich halte mich nicht für einen besseren Menschen und ja, ich halte ein paar meiner Handlungen für besser oder aber auch schlechter, als die anderer Menschen.“

Die Frage, ob man sich als besseren Menschen sieht, stellt diesen Menschen zunächst undifferenziert in eine Ecke zu „schlechten Eigenschaften“, die keiner gerne hat. Sie zielt darauf ab, jemanden auf Gefühlsebene zu treffen, anstatt die Handlungen objektiv nach deren Auswirkungen zu beurteilen. Die Herausforderung, sich daraufhin entweder selbst abzuwerten oder über den/die andere/n zu erheben, erfordert in der Antwort eine Klarstellung, was uns Menschen zu dem macht, was wir sind und wie wir gesehen werden.

Nicht „wer“, sondern „was“ ist besser? Mitgefühl haben oder ohne Notwendigkeit töten?

Veganismus – sich nicht über andere stellen

VeganerInnen sind so unterschiedlich wie NichtveganerInnen. Man könnte auch sagen, es gibt unterschiedliche Frauen genauso wie unterschiedliche Männer, unterschiedliche EuropäerInnen ebenso wie verschiedenste AmerikanerInnen … eine Liste ohne Ende. Und überall, wo Menschen gruppiert werden, sind sicher welche dabei, die sich gerne überlegen fühlen (möchten) – intellektuell, moralisch oder aus finanziellen Gründen. Das Überlegenheitsgefühl passt nur schlicht und ergreifend nicht auf Menschen, die sich genau aus jenem ethischen Grund dazu entschieden haben, vegan zu leben: Weil sie sich gerade nicht für etwas Besseres oder Wertvolleres halten.

Bei dieser Art des Vorwurfs wird nun ausgerechnet eine moralische Handlung kritisiert, die selbst aus Sicht von NichtveganerInnen scheinbar durchaus als besser angesehen werden könnte. Dazu gleich mehr. Ganz übersehen wird nämlich, mit oder ohne Absicht, dass es beim Veganismus gar nicht darum geht, besser oder schlechter zu sein. Es geht dabei noch nicht einmal um die eigene Person und noch weniger um das eigene Wohlbefinden, ganz zu schweigen von der eigenen hierarchischen Erhebung über andere. Im Gegenteil- es geht um die Bedürfnisse und Rechte aller Mitlebewesen.

Es ist also irrelevant, höher, schneller, weiter, intelligenter, schöner, gesünder oder fitter zu sein. Entscheidend ist einzig, fair zu handeln. Da wir uns selbst unnötiges Leid und gewaltsamen Tod ersparen wollen, möchten VeganerInnen fairerweise, dass ihr Handeln ebensowenig unnötig Schmerzen und Tod anderer verursacht, die einfach glücklich leben könnten.

Die Ablenkung in andere Themenbereiche

VeganerInnen nehmen dabei sogar sehr oft in Kauf, wegen ihrer Lebensweise ausgelacht, teilweise sogar beschimpft oder als dumm dargestellt zu werden. Wären sie darauf aus, sich erhaben fühlen zu wollen, diese Reaktionen kämen dem eigenen Wohlbefinden nicht gerade zugute. Als Ablenkungsmaßnahme fungieren die emotionalen Übergriffe perfekt: Der/die Ausgelachte ärgert sich und kann nicht mit sachlichen Informationen argumentieren, weil das ehrliche Interesse des Gegenübers fehlt.

Wenn über das Thema Tiere essen diskutiert wird, lenken nichtvegane Menschen in den allermeisten Fällen kurzerhand auch auf andere Bereiche ab:

„Nur weil du … – Ich achte dafür auf …“.

Dieses Ablenken vom Thema führt dazu, nicht mehr über den eigentlichen Punkt diskutieren zu müssen, um den es ursprünglich ging. Die Reflexion der eigenen Verantwortung am Töten von Lebewesen wird damit ganz einfach umgangen.

Dabei wird ein/e VeganerIn nie bestreiten, dass es sicher besser ist,

  • Plastik zu vermeiden, als alles in Kunststoff eingeschweißt zu kaufen…
  • Second Hand zu tragen, als in Bangladesh produzieren und Menschen ausbeuten zu lassen…
  • mit dem Fahrrad zu fahren, als das Auto zu nehmen…
  • Entwicklungshilfe und ärztliche Versorgung zu leisten, als Waffen zu verkaufen…
  • Mitleid zu haben und leben zu lassen, als ohne Notwendigkeit zu töten…

Weder vegane noch nichtvegane Menschen würden sagen: „Du hältst dich wohl für etwas Besseres, weil du mit dem Fahrrad fährst!“ Meist wird sogar gelobt oder für unterstützenswert gehalten, wenn jemand beispielsweise darauf achtet, möglichst plastikfrei zu leben. Niemand wird dem-/derjenigen entgegnen, er/sie halte sich wohl deshalb für etwas Besseres. Und was wäre auch die Antwort auf diese Frage?

Genausowenig würde jemand einzelne Bereiche gegeneinander ausspielen. Wer würde schon argumentieren: „Ja, meine Kinder bekommen hin und wieder mal eine Ohrfeige, aber dafür helfe ich ehrenamtlich im Seniorenheim!“ oder „Ja, ich gehe schon recht verschwenderisch mit Lebensmitteln um, aber dafür trenne ich meinen Müll vorbildlich!“ Oder, um es mal zu überspitzen: „Ja, in meiner Fabrik lasse ich Kriegswaffen produzieren, aber ich nehme regelmäßig an Friedensmärschen teil, unterstütze den Erhalt des Hambacher Forsts und außerdem drücke ich ja nicht selbst den Abzug!“

Kein/e VeganerIn findet Plastikmüll klasse. Jede/r würde zustimmen, dass Vermeidung das bessere Verhalten wäre. Wieso können Menschen beim Thema Töten dann nicht zustimmen, dass Vermeidung die bessere Alternative ist …?

Die Auswirkungen unseres Handelns

Jeder nicht-vegane Mensch wird mit allen weiter oben aufgeführten Beispielen so einverstanden sein. Die einzige Ausnahme gilt dem Punkt, ohne Notwendigkeit zu töten. Da steht plötzlich zur Debatte, dass es keine alternative/bessere Wahl gibt.

Es folgt nicht selten ein Fehlschluss, den viele NichtveganerInnen begehen: Wer moralische Entscheidungen trifft, ist automatisch in allen Lebensbereichen unfehlbar. Eine unrealistische Utopie. Kein Mensch ist perfekt. Seine Handlungen können in verschiedenen Lebensbereichen ganz unterschiedlich aussehen. Durchaus können jedoch die Auswirkungen dieser Handlungen besser oder schlechter sein. Ob diese Klima, Umwelt oder Leben und Tod betreffen. Selbst pünktlich zu sein, wird in unserer Gesellschaft als besser oder erstrebenswerter erachtet, als regelmäßig zu spät kommen. Nun hat eine Verspätung bis auf die Wartenden keinen Effekt, der das Leben und die Unversehrtheit eines anderen aufs Spiel setzt, außer man ist vielleicht Notarzt. Und niemand wird bestreiten, dass es durchaus schlechter ist, seinen Müll im Wald zu entsorgen oder jemanden unnötig zu beklauen, als bei Verabredungen zu spät zu erscheinen. Wieso also machen nicht-vegane Menschen ausgerechnet bei einer Handlung, die das Leben von Abermilliarden Lebewesen ganz direkt unnötig und absichtlich gewaltsam beendet, am Liebsten einen Vergleich mit Plastik? Oder mit Mücken auf Windschutzscheiben, die sie noch nicht einmal als positive Vermeidungshandlung in die eigene Waagschale werfen könnten?

Unsere Handlungen haben Auswirkungen, die wir normalerweise ganz gut kennen. Manche davon sind offensichtlich, andere sind vielleicht nicht im selben Augenblick wahrnehmbar und lassen sich dadurch besser verdrängen. Je nachdem, ob die Auswirkungen Dritte positiv oder negativ betreffen, entsteht ein automatisches Wohl- oder Schuldgefühl, sobald dies jemand thematisiert. Ablenkung und Angriff sind oft rein nahe liegende Reaktionen, die übrig bleiben, um sich selbst nicht eingestehen zu müssen, besser handeln zu können, wenn man denn wollte.

Niemand muss perfekt sein, um zu erkennen, dass Lebewesen Gefühle haben.

Wir wissen was wir tun. Aber wollen wir?

In der Regel möchte niemand jemand anderem wissentlich schaden. Wenn wir Tiere essen, ist uns allerdings bewusst, dass das Tier dafür getötet wird. Wir schaden also wissentlich. Wir nehmen den Tod in Kauf, obwohl es unnötig ist. Es bringt uns in Verlegenheit, wenn Offensichtliches angesprochen wird, das wir ungern wahrhaben möchten. Wir wissen jedoch genau, dass es besser wäre, kein unnötiges Leid zu verursachen. Wir haben ein Verhalten gefunden, das das Gegenüber wortwörtlich besser macht und wieso sich das Gegenüber deshalb für etwas Besseres halten könnte. Die Frage bringt also VeganerInnen in eine Zwickmühle in Sachen Ergebnisse, die Menschen aus der Antwort ableiten (möchten). Antworten sie mit: „Nein, tu ich nicht“, dann stellt das augenscheinlich NichtveganerInnen eine Freikarte aus, ihre Handlungsweise hier gar nicht ändern zu müssen, obwohl sie mit der Frage absichtlich nicht nur den Bereich Tiere töten meinen. Antworten VeganerInnen mit „Ja, ich finde Veganismus besser als Tiere zu essen“, dann gelten sie als abgehoben und eingebildet, wieder, weil die Frage gar nicht auf das spezifische Verhalten abzielte, sondern auf die gesamte Person.

Menschen wissen im Grunde ihres Herzens genau, dass die Summe ihrer Handlungen sie zu dem Menschen macht, der sie sind.

Und dass bestimmte Handlungen negativere und tödlichere Auswirkungen haben, als andere.

Wenn du also einen Grund findest, der plausibel genug ist, warum sich Menschen moralisch besser fühlen könnten, wenn sie bestimmte Verhaltensweisen anwenden, dann ist das wahrscheinlich ein guter Grund, in Zukunft selbst danach zu handeln

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Der Löwe frisst auch Zebras! https://veganswer.de/der-loewe-frisst-auch-zebras/ https://veganswer.de/der-loewe-frisst-auch-zebras/#comments Fri, 01 Apr 2016 07:15:57 +0000 http://veganswer.de/?p=518 Ein ‚merk-würdiger‘ Vergleich Menschen vergleichen sich, ganz im Geiste der vermittelten Werte unserer Leistungsgesellschaft, gerne mit selbst gewählten oder medial inszenierten Vorbildern, um sich selbst zu motivieren und ihr Verhalten in eine gewünschte Richtung zu verändern. Zum Beispiel um besser, schneller, schlanker, reicher, populärer, erfolgreicher zu werden. Umgekehrt nutzen wir Vergleiche mit anderen aber auch […]

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Ein ‚merk-würdiger‘ Vergleich

Menschen vergleichen sich, ganz im Geiste der vermittelten Werte unserer Leistungsgesellschaft, gerne mit selbst gewählten oder medial inszenierten Vorbildern, um sich selbst zu motivieren und ihr Verhalten in eine gewünschte Richtung zu verändern. Zum Beispiel um besser, schneller, schlanker, reicher, populärer, erfolgreicher zu werden. Umgekehrt nutzen wir Vergleiche mit anderen aber auch für das genaue Gegenteil, um ’nachzuweisen‘, dass ein Verhalten, für das uns andere kritisieren, völlig unbedenklich ist, und wir uns deshalb auf gar keinen Fall ändern werden. Sportgegner*innen vergleichen sich beispielsweise gerne mit Sir Winston Churchill.[1]Sir Churchill wird die Aussage ‚absolutely no sports‘ zugeschrieben. Er soll diese Antwort einem Reporter gegeben haben, der ihn nach dem Geheimnis fragte, wie er, trotz regelmäßigen … Continue reading Für Kettenraucher*innen ist Helmut Schmidt ein großes Vorbild. Sowohl Churchill als auch Schmidt gelten auch lange nach ihrem Tod als Beweise dafür, dass Bewegungsmangel beziehungsweise exzessiver Nikotinkonsum die menschliche Gesundheit keineswegs gefährden, sondern ein langes Leben bei wachem Verstand geradezu garantieren.

Fleischesser*innen gehen noch einen Schritt weiter. Werden sie auf die ethische, ökologische oder gesundheitliche Bedenklichkeit des Konsums tierlicher Produkte angesprochen, vergleichen sie sich nicht mit menschlichen Vorbildern, sondern erklären: »Der Löwe frisst schließlich auch Zebras! Wieso sollte ich kein Fleisch essen?«

Naheliegende Fragen …

Das ‚Löwenargument‘ ist ein Klassiker, der in fast jedem Gespräch (und garantiert in jeder Social-Media-Diskussion) zwischen Fleischesser*innen und vegan lebenden Menschen irgendwann auf den Tisch kommt – und fast immer für eine gereizte Stimmung sorgt. Zunächst fühlen sich Veganer*innen durch diese Aussage provoziert. Sie können es schlicht nicht fassen, dass ein erwachsener, potenziell vernunftbegabter Mensch allen Ernstes die Überzeugung vertritt, der Vergleich mit einem Löwen legitimiere tatsächlich sein eigenes Konsumverhalten.

Sie reagieren dann meist mit ein paar aus ihrer Sicht naheliegenden Rückfragen und Anmerkungen:

  • Inwiefern ist der Vergleich eines vermeintlich zivilisierten Menschen in Mitteleuropa mit einem in der Wildnis auf fernen Kontinenten lebenden Raubtier in irgendeiner Hinsicht relevant für die moralische Beurteilung des menschlichen Fleischkonsums hier und jetzt?
  • Inwiefern kann die Übereinstimmung zwischen einem bestimmten Tier und einer Gruppe Menschen in nur einem einzigen Merkmal, nämlich ‚Fleisch essen‘ ein seriöser, valider Beweis für die Legitimität dieses Merkmals sein?
  • Wenn schon der Vergleich mit einem wilden Tier, warum ausgerechnet mit dem Löwen? Warum sollten wir uns nicht mit Nashorn, Elefant, Nilpferd oder der Giraffe vergleichen, oder mit einem Tier, das zumindest ein näherer Verwandter des Menschen ist, zum Beispiel dem Gorilla?
  • Wenn der Löwe ein derart inspirierendes Vorbild ist, warum nehmen die Fleischesser*innen ihn sich nicht auch in anderen Alltagssituationen zum Vorbild? Löwen riechen sich beispielsweise gegenseitig am After, wenn sie sich begegnen. Könnte das nicht auch ein bereicherndes menschliches Ritual sein, z.B. im Rahmen von Vorstellungsgesprächen, bei Familienfeiern oder in der Warteschlange im Supermarkt?
  • Umgekehrt gibt es eine ganze Menge von Dingen, die der Löwe allesamt nicht tut, Fleischesser*innen aber seltsamerweise schon. Der Löwe hat zum Beispiel kein Auto, bewohnt kein Haus mit Zentralheizung und fließend Wasser, hat weder Laptop, Smartphone noch Kühlschrank, züchtet seine Fressopfer nicht in irgendwelchen Tierfabriken, beraubt sie nicht ihrer Freiheit, stopft sie nicht voll mit Hormonen und Antibiotika, delegiert ihre Tötung nicht an Dritte, verzichtet völlig auf raffinierte Zubereitungsmethoden und (vegane!) Gewürze und vieles mehr.
    Warum aber praktizieren Tierproduktkonsument*innen all das, obgleich ihr erklärtes Idol auf diese Segnungen der Zivilisation komplett verzichtet?

Diese Fragen führen meistens dazu, dass sich jetzt die Fleischesser*innen provoziert fühlen. Sie halten diese Fragen für unsachliche ‚vegane Polemik‘. Es folgt dann entweder der beleidigte Gesprächsabbruch, oder die Diskussion eskaliert und wird persönlich.

Will man eine Idee davon bekommen, welche Überzeugungen hinter dem Löwenargument stecken, empfiehlt es sich, die Aussage zunächst gar nicht zu kommentieren, sondern neugierig-interessiert nachzufragen: „Was sagt das Verhalten des Löwen über uns Menschen aus?“

Als ich das letzte Mal diese Frage gestellt habe, bekam ich folgende Antwort:

„Andere Tiere fressen schließlich auch Tiere. So ist nunmal die Natur. Und glaubst du etwa ernsthaft, der Löwe hätte irgendwelche moralische Skrupel, dich zu fressen.“

Eine interessante Antwort, die gleich mehrere grundlegende Annahmen des karnistischen Glaubenssystems offenbart.[2]Karnismus ist ein gesellschaftlich dominantes mentales Modell. Das Modell enthält eine Reihe von tief verwurzelten Glaubenssätzen, die unsere Wahrnehmung steuern und uns in die Lage versetzen, … Continue reading

Andere Tiere fressen schließlich auch Tiere!

Dieses Argument ist schon deshalb sehr interessant, weil Fleischesser*innen ansonsten beim gesamten Thema Tierhaltung, jegliche Ähnlichkeit zwischen Mensch und Tier oft vehement bestreiten oder mindestens stark relativieren. Spricht man sie beispielsweise auf die entsetzlichen Qualen an, die die Tiere durch die gängigen Praktiken in den Mastanlagen und Schlachthöfen erleiden (z.B. Schreddern bei lebendigem Leib, Verstümmelung ohne Betäubung, Fehlbetäubungen, u.v.m.), beeilen sie sich, klarzustellen, dass es ja ‚nur Tiere‘ sind, nichts weiter als dumme, gefühllose Fleischklumpen, die man doch bitte nicht ‚vermenschlichen‘ soll.

Was taugt das ‚Tiere-töten-auch-Tiere-Argument’ zur Rechtfertigung menschlichen Fleischkonsums? Es ergeben sich erneut eine Reihe von Fragen:

  • Es stimmt: manche Tiere sind Fleischfresser. Sie töten andere Tiere und fressen sie. In der Natur gibt es aber weitaus mehr Pflanzenfresser, die andere Tiere nicht vorsätzlich töten. Wir könnten uns doch auch diese Tiere zum Vorbild nehmen. Der Löwe tötet und frisst andere Tiere, weil er als Karnivore keine andere Wahl hat, um zu überleben. Menschen können zwar auch Tiere essen, müssen es aber nicht. Als Omnivoren haben wir die Wahl. Warum also sollten wir anderen vorsätzlich Leid zufügen, wenn das nicht notwendig ist?
  • Die Logik 1) Tiere töten Tiere, 2) der Mensch ist auch ein Tier, also 3) darf der Mensch auch andere Tiere töten ist auch ziemlich gruselig, wenn man sie konsequent zu Ende denkt. Wenn wir 1) bis 3) als wahr akzeptieren, dann ergibt sich daraus zwangsläufig 4) wenn Menschen Tiere sind, und wenn Tiere Tiere töten, dann darf der Mensch auch das Tier Mensch töten. Wollen wir das ernsthaft? Wäre das nicht ein herber zivilisatorischer Rückschritt?
  • Diese mehrstufige Logik müssten wir nicht mal unbedingt bemühen, denn wenn jemand sagt ‚Tiere töten auch Tiere‘, könnten wir auch direkt antworten: „Ja, und Menschen töten Menschen. Das heißt doch aber noch lange nicht, dass das auch richtig ist.“

So ist nunmal die Natur

Die Natur funktioniert tatsächlich nicht nach moralischen Maßstäben. Das ist unbestreitbar. Nur, was folgt daraus für menschliches Handeln? Ist ein Verhalten automatisch moralisch gerechtfertigt, nur weil es in der Natur vorkommt? Natürlich nicht.[3]Den Versuch, aus der ‚Natur‘ der Dinge abzuleiten, wie diese sein sollten und ihnen damit einen moralischen Wert zu unterstellen nennt man ’naturalistischer Fehlschluss‘. Ein … Continue reading

Drei Beispiele:

  • In der Natur ist zum Beispiel bei manchen Tierarten (z.B. bei Enten) Vergewaltigung die ’normale‘ Art der Paarung und Fortpflanzung.
  • Wenn ein Löwe Führer eines Rudels wird, dann wird er die Jungen aller bereits trächtigen Löwinnen töten, sobald sie geboren werden, damit die Löwinnen möglichst schnell bereit sind, von ihm geschwängert zu werden und seine Gene sich durchsetzen können.
  • Unter Primaten ist Xenophobie ein weit verbreitetes Phänomen. Innerhalb einer Spezies gibt es eine Vielzahl von Gruppen, die allen Artgenossen außerhalb der eigenen Gruppe extrem feindselig begegnen, bis hin zur Inszenierung kriegerischer Handlungen.[4]Die Tierforscherin Jane Goodall beschreibt zum Beispiel kriegerische Handlungen zwischen einzelnen Gruppen von Schimpansen. http://www.zeit.de/2011/34/Forschung-Jane-Goodall/seite-3

Wir sind uns heute weitgehend einig, dass all diese Handlungen schreckliche Gewaltverbrechen darstellen, wenn sie von Menschen begangen werden. Zivilisatorischer Fortschritt besteht genau darin, dass wir unsere Fähigkeit, richtig und falsch zu unterscheiden, nutzen, um das Richtige zu tun und das Verwerfliche zu ächten. Die Forderung, alles tun zu dürfen, was scheinbar ’natürlich‘ ist, wäre ein Rückfall in die finstersten Zeiten der Menschheitsgeschichte.

Der Löwe kennt auch keine Moral

Der Hinweis, dass der Löwe auch keine Moral kennt, bringt zusätzlich noch einen weiteren Glaubenssatz ins Spiel: „Wie du mir, so ich dir“. Es stimmt, dass der Löwe wohl keine Gewissensbisse hat, wenn er ein Zebra tötet. Sehr wahrscheinlich würde er auch uns ohne moralische Bedenken töten, wenn er Hunger hätte oder sich von uns bedroht fühlte (oder wir mit ihm das ‚Löwenargument‘ diskutieren wollten). Nur, was sagt das über unser moralisches Recht aus, Fleisch zu essen? Gar nichts.

Moralisches Verhalten in einer zivilisierten Gesellschaft bedeutet, dass wir anderen leidensfähigen Lebewesen nicht vorsätzlich vermeidbares Leid zufügen. Auch Lebewesen, die selbst nicht oder nur bedingt moralisch handeln können, haben Anspruch darauf, ihrerseits nach moralischen Ansprüchen behandelt zu werden.[5]Ethik unterscheidet moralische Subjekte und moralische Objekte. Erstere sind moralische Akteure, die zwischen Handlungsalternativen bewusst und unter moralischen Erwägungen wählen können … Continue reading Wenn ein kleines Kind mit einer Waffe spielt und dabei seinen Vater erschießt, würden wir dem Kind nicht vorwerfen, es sei moralisch verwahrlost. Wir würden von einem tragischen Unglück sprechen und hätten vermutlich sogar aufrichtiges Mitgefühl mit dem Täter. Auch manche alten Menschen oder Menschen mit bestimmten Krankheitsbildern würden wir nicht moralisch verantwortlich machen, wenn sie jemand ohne Bewusstheit der eigenen Schuld töten. Wenn ein Kind im Zoo über den Zaun des Bärengeheges klettert und dort von einem Bär getötet wird, dann würden die Medien auch in diesem Fall von einem Unglück sprechen und nicht mal die Boulevardpresse würde auf die Idee kommen, die moralischen Defizite des Bären zu erörtern.

Es ist also moralisch betrachtet völlig absurd, aus der Tatsache, dass der Löwe andere Tiere tötet, ableiten zu wollen, dass wir das auch tun dürfen. Wer im 21. Jahrhundert das Prinzip ‚Wie du mir, so ich dir‘ predigt, spricht nicht von persönlichen Freiheitsrechten, sondern vom vermeintlichen Recht des Stärkeren.

Ein Sonderfall wäre eine ausweglose Notwehrsituation. Wenn wir tatsächlich irgendwo im Dschungel, ohne Fluchtmöglichkeit, Auge in Auge einem Löwen gegenüberstehen, dann wären wir tatsächlich berechtigt, den Löwen in Notwehr zu töten. Vielleicht würde aber auch der Löwe die Gunst der Stunde nutzen, um einen weiteren karnistischen Glaubenssatz, nämlich ‚Der Mensch steht an der Spitze der Nahrungskette‘, kompetent und nachhaltig zu widerlegen.

Selbst wenn wir das Argument ‚Wie du mir, so ich dir‘ generell als moralisch akzeptabel einstufen würden, dann würde das dennoch lediglich bedeuten, dass wir Löwen töten dürfen, oder andere Raubtiere, die uns auch töten würden. Der Mensch ernährt sich aber nicht von Löwen, sondern überwiegend von Pflanzenfressern, die uns weder bedrohen noch fressen wollen. Die Tiere, die wir essen, sind meist freundliche, friedfertige Lebewesen, die selbst dem Schlachthofpersonal noch vertrauensvoll die Hand lecken, weil die mörderische menschliche Niedertracht weit jenseits ihrer Vorstellungskraft liegt. Wenn schon ‚Wie du mir, so ich dir‘, dann doch bitte im Sinne von ‚Ihr lasst uns in Ruhe, also lassen wir euch in Ruhe.‘

“Moral fragt nicht, was Tiere in der Wildnis tun, sondern welches menschliche Verhalten in einer zivilisierten Welt angemessen ist.”

Charles Horn: Meat Logic – Why do we eat animals?

Quellen und Fußnoten

Quellen und Fußnoten
1 Sir Churchill wird die Aussage ‚absolutely no sports‘ zugeschrieben. Er soll diese Antwort einem Reporter gegeben haben, der ihn nach dem Geheimnis fragte, wie er, trotz regelmäßigen Konsums von Whiskey, Zigarren und Champagner, ein derart hohes Alter habe erreichen können. Das Zitat ist sehr populär, obwohl es keine Beweise gibt, dass Sir Churchill das tatsächlich gesagt hat. Außerdem hat Sir Winston Churchill zumindest in jungen Jahren durchaus sehr viel Sport getrieben. https://de.wikipedia.org/wiki/No_Sports
2 Karnismus ist ein gesellschaftlich dominantes mentales Modell. Das Modell enthält eine Reihe von tief verwurzelten Glaubenssätzen, die unsere Wahrnehmung steuern und uns in die Lage versetzen, entspannt mit dem Widerspruch umzugehen, dass wir Tiere einerseits lieben, sie aber gleichzeitig ausbeuten, quälen und töten. vgl. hierzu: Melanie Joy: Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen. Compassion media.
3 Den Versuch, aus der ‚Natur‘ der Dinge abzuleiten, wie diese sein sollten und ihnen damit einen moralischen Wert zu unterstellen nennt man ’naturalistischer Fehlschluss‘. Ein Verhalten ist nicht per se gut und richtig, nur weil es in der Natur vorkommt. vgl. hierzu auch https://de.wikipedia.org/wiki/Naturalistischer_Fehlschluss
4 Die Tierforscherin Jane Goodall beschreibt zum Beispiel kriegerische Handlungen zwischen einzelnen Gruppen von Schimpansen. http://www.zeit.de/2011/34/Forschung-Jane-Goodall/seite-3
5 Ethik unterscheidet moralische Subjekte und moralische Objekte. Erstere sind moralische Akteure, die zwischen Handlungsalternativen bewusst und unter moralischen Erwägungen wählen können (erwachsene, geistig gesunde Menschen). Moralische Objekte sind empfindungsfähige Lebewesen, die selbst nicht moralisch handeln können. vgl. hierzu: Hilal Sezgin: Artgerecht ist nur die Freiheit. C. H. Beck Verlag.

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Das interessiert wieder (k)ein Schwein! https://veganswer.de/das-interessiert-wieder-kein-schwein/ https://veganswer.de/das-interessiert-wieder-kein-schwein/#comments Fri, 11 Mar 2016 15:19:24 +0000 http://veganswer.de/?p=1240 Das ist mir Wurst! Vor einiger Zeit kommentierte ich einen Facebookpost einer Tierrechtsorganisation. Der Post handelte davon, dass kommende Generationen eines Tages fassungslos vor Entsetzen die traurige Wahrheit entdecken werden, dass ihre eigenen Vorfahren vor gar nicht allzu langer Zeit tatsächlich noch Tiere ausgebeutet und gegessen haben. Ich kommentierte sinngemäß, dass wir alle gerne schon […]

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Das ist mir Wurst!

Vor einiger Zeit kommentierte ich einen Facebookpost einer Tierrechtsorganisation. Der Post handelte davon, dass kommende Generationen eines Tages fassungslos vor Entsetzen die traurige Wahrheit entdecken werden, dass ihre eigenen Vorfahren vor gar nicht allzu langer Zeit tatsächlich noch Tiere ausgebeutet und gegessen haben. Ich kommentierte sinngemäß, dass wir alle gerne schon jetzt beginnen dürfen, uns über dieses Verhalten zu wundern. Schließlich seien die Perversion, das Ausmaß und das Unrecht unseres Tuns bereits heute offensichtlich. Ein Leser entgegnete mir postwendend: „Das ist mir Wurst. Ich esse Tiere, so wie es meine Vorfahren vor tausenden von Jahren auch gemacht haben und empfinde nichts dabei. Warum auch?“

Als ich das las, wurde mir schlagartig klar, wie erschreckend treffend die Aussage ‚Mir Wurst‘ die höchstmögliche Ausprägung individueller Gleichgültigkeit beschreibt. Zwei Silben, um pointiert auszudrücken: „Mir sind die Tiere völlig egal. Der Zustand dieses Planeten interessiert mich null. Die Zukunft und die Bedürfnisse kommender Generationen sind mir schnurze. Tierleid, Klimakatastrophe, Welthunger – not my business. Ich interessiere mich für mich. Ende der Durchsage!“ Effektiver lässt sich Sprache kaum benutzen. Was für eine ausdrucksstarke Metapher für die eigene emotionale Bankrotterklärung![1]Natürlich gebrauchen wir die Aussage ‚Mir Wurst‘ oftmals auch als Floskel bei völlig belanglosen Themen. Von einem emotionalen Offenbarungseid können wir nur dann sprechen, wenn die … Continue reading

Karnismus – die unsichtbare Ideologie

Eine Gesellschaft, die sich einerseits als zivilisiert beschreibt, andererseits millionenfach wehrlose Lebewesen ausbeutet und tötet, müsste ‚eigentlich‘ ein Problem mit dem Widerspruch zwischen eigenem Anspruch und gelebter Wirklichkeit haben. Hat sie aber offenbar nicht.
Die Psychologin Melanie Joy liefert uns ein fundiertes Erklärungsmodell, wie es Menschen fertig bringen, sich einerseits als moralisch handelnde Personen zu verstehen – und sich vielleicht sogar als Tierfreund*innen zu bezeichnen – und gleichzeitig ohne schlechtes Gewissen Tierquälerei in großem Stil zu unterstützen.[2]Melanie Joy: Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen. compassion media. Wir sind dazu in der Lage, weil wir in einer karnistischen Gesellschaft aufwachsen.[3]„Karnismus ist das Glaubenssystem, das uns darauf konditioniert, bestimmte Tiere zu essen.“ Melanie Joy: Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen. compassion media. Seite … Continue reading Noch bevor wir überhaupt sprechen können, werden wir bereits von unseren Eltern mit industriell hergestellter Fertignahrung gefüttert, die wie selbstverständlich auch pürierte Tierleichenteile enthält. Uns wird von Geburt an suggeriert, dass es absolut normal, natürlich und zwingend notwendig ist, Fleisch zu essen. Wir lernen früh, dass es einerseits sogenannte ‚Nutztiere‘ gibt, die man bedenkenlos einsperren, töten und essen darf, und andererseits Haustiere, die wir lieben, wie Familienangehörige behandeln und deshalb natürlich auch nicht essen.
Elterliche Erziehung, gesellschaftliche Indoktrination und sozialer Druck prägen uns so stark, dass die meisten Menschen ihr Verhältnis zu Tieren und die eigene Rolle bei ihrer systematischen Ausbeutung und Tötung lebenslang niemals hinterfragen.

Melanie Joy beschreibt eine ganze Reihe von Mechanismen, die dafür sorgen, dass selbst intelligente Menschen den vielleicht größten Widerspruch in ihrem eigenen Leben nicht mal ahnen, geschweige denn auflösen. Beispielsweise ist es wichtig, dass die Tierquälerei und das Gemetzel im Verborgenen geschehen, so dass wir die entsetzliche Wirklichkeit möglichst nicht sehen, hören, fühlen. Es ist auch wichtig, dass wir das lustvolle Ereignis ‚lecker essen‘ radikal von der grausigen Vorgeschichte dieses Essens entkoppeln. Wir bewerkstelligen das, indem wir den blutigen, mörderischen Teil der ‚Lebensmittelproduktion‘ einfach an andere delegieren. Wir bezahlen fremde Menschen, dass sie für uns das erledigen, was wir selbst verabscheuen.

Damit wir mit der von uns beauftragten Ausbeutung entspannt umgehen können, ist es wichtig, dass wir unser angeborenes Potenzial zu bedingungslosem Mitgefühl bestmöglich unterdrücken. Das gelingt uns, indem wir lernen, andere Lebewesen auszuschließen und sie als grundlegend verschieden von uns zu betrachten. Wir müssen die emotionale Bindung zerstören, die unser Herz natürlicher Weise zu unseren Opfern fühlt.[4]Vgl. hierzu: Dr. Will Tuttle. Ernährung und Bewusstsein. Crotona Verlag. Will Tuttle führt in seinem Werk aus, dass alle gewalttätige Ideologien (Rassismus, Sexismus, Homophobie, Speziesismus, … Continue reading Eine wichtige Rolle in diesem Prozess der Distanzierung spielt unsere Sprache.

Sprache erschafft Wirklichkeit

Sprache und unser Denken und Fühlen beeinflussen sich wechselseitig. Einerseits benutzen wir Worte um auszudrücken, was wir gerade denken und fühlen. Umgekehrt beeinflusst die Wahl unserer Worte aber auch wiederum unser Gedanken und Gefühle. Sprache erschafft Wirklichkeit. Es macht zum Beispiel einen großen Unterschied, ob wir den Müll, den wir produzieren, als Abfall oder als Wertstoff bezeichnen.

Wenn wir ‚unschuldig‘ über die Tiere reden wollen, deren Leben wir im Kindesalter auslöschen, ist es wichtig, dass wir uns soweit wie irgend möglich von unseren Opfern und ihren elementaren Interessen dissoziieren. Unsere Sprache unterstützt uns dabei, indem sie die Verankerung einer Reihe diskriminierender karnistischer Glaubensätze fördert:

  1. Tiere und Menschen sind sehr verschieden
  2. ‚Nutztiere‘ sind dumm, hässlich, faul und schmutzig
  3. Es ist die Bestimmung bestimmter Tiere, uns als Nahrung zu dienen
  4. Tierliche Lebensmittel sind Waren ohne moralischen Wert
  5. Die Art und Weise, wie wir die Tiere behandeln, ist anständig und angemessen

Damit wir Tierleichen essen können, darf nicht in unser Bewusstsein dringen, dass es sich bei dem, was auf unseren Tellern landet, oft um nahe Verwandte handelt. Beispielsweise um Säugetiere, die sehr ähnliche Bedürfnisse und Gefühle wie wir Menschen haben.[5]Charles Darwin formulierte bereits sehr klar: „Es gibt keinen fundamentalen Unterschied zwischen Mensch und Tier in ihren Fähigkeiten, Freude und Schmerz, Glück und Elend zu fühlen.“ Die Vorstellung der Verschiedenheit von Mensch und Tier unterstützen wir dadurch, dass wir für bestimmte identische intime Vorgänge einfach unterschiedliche Worte gebrauchen. Tiere essen nicht, sie fressen. Sie sind nicht schwanger, sie sind trächtig. Sie gebären nicht, sie werfen.

Bereits in der Kita, und natürlich auch in der Familie, lernen wir den Gebrauch beleidigender Kraftausdrücke. Wir schimpfen unsere Mitmenschen faule Sau, dämliche Ziege, blöde Gans, hässliche Ente, dummes Schaf und dusselige Kuh.[6]Dass wir überwiegend weibliche Schimpfwörter benutzen ist ein Hinweis, dass Karnismus nicht der einzige diskriminierende ‚Ismus‘ ist, der sich in unserer Gesellschaft beobachten lässt. Um andere abzuwerten und zu verhöhnen, verwenden wir, wohl nicht ganz zufällig, überwiegend Vergleiche mit Tieren, die wir auch essen. Positive, ermutigende Vergleiche hingegen beziehen sich meist auf Tiere, die nicht auf unserem Speiseplan stehen (flink wie ein Wiesel, schlau wie ein Fuchs, stark wie ein Bär). Niemand sagt aber: „Du schlaues Schwein“, obwohl das ein schönes und passendes Kompliment wäre. Schweine sind fast so intelligent wie Schimpansen, deutlich intelligenter als Hunde und allemal schlauer als der ’schlaue Fuchs‘. Wir nennen andere Menschen ‚Dreckschwein‘ und vermitteln die Vorstellung einer widerwärtigen, ungepflegten Person. Dabei sind Schweine sehr reinliche, freundliche und soziale Lebewesen. Dass sie tatsächlich im Dreck und oft in ihren eigenen Fäkalien vor sich hin vegetieren, hat ausschließlich damit zu tun, dass wir Menschen sie zu diesem unwürdigen Dasein verurteilen.

Jane at sunset. © Jo-Anne McArthur / We Animals
Jane at sunset.
© Jo-Anne McArthur / We Animals

Die Zuschreibung ‚menschlich ein Schwein‘ ist vielleicht eines der eindrucksvollsten Beispiele menschlicher Wirklichkeitskonstruktion. Wir verwenden diesen Vergleich um einen Mitmenschen als hinterhältig, korrupt, berechnend, skrupellos, zerstörerisch, gefühlskalt zu beschreiben. Alles menschliche Charaktereigenschaften, die im Tierreich wenig verbreitet sind und auf Schweine überhaupt nicht zutreffen. Wenn Tiere sich situativ berechnend verhalten, dann tun sie das meist, weil es für ihr Überleben notwendig ist.

Ein weiterer raffinierter Taschenspielertrick besteht darin, dass wir Tieren spezielle Bezeichnungen geben, die suggerieren, es sei nunmal ihre Bestimmung, von uns in einer bestimmten Weise ‚genutzt‘ zu werden. Wir sprechen einfach von Nutztieren, Schlachtvieh, Legehennen, Stopfgänsen, Mastschweinen, Milchkühen, Speisefischen und erfinden gruselige Begriffe wie Zweinutzungshuhn. Die Bezeichnungen haben mit dem Wesen der Tiere absolut nichts zu tun. Es sind menschliche Urteile. Todesurteile.[7]Die karnistische Indoktrination hat ganze Arbeit geleistet, wenn wir als Kinder lernen, dass wir Nutztiere essen dürfen, weil sie eigens dafür da sind, und als Erwachsene an der Ausbeutung dieser … Continue reading

Unsere Worte unterstützen auch einen wichtigen karnistischen Prozess, den Melanie Joy ‚Verdinglichung‘ nennt. Wir sprechen von Lebensmitteln, von Wurstwaren und Molkereiprodukten. Die einzigartigen Persönlichkeiten, deren Leben wir auslöschen, kommen uns zu keinem Zeitpunkt ins Bewusstsein. Wir verwandeln Lebewesen in Lebensmittel, indem wir Kälber, Rinder, Schweine, Hühner, sobald sie den Schlachthof verlassen, Wiener Schnitzel, Steak, Kotelett oder Nugget nennen.[8]Im angelsächsischen Sprachraum wird noch wesentlich sorgfältiger darauf geachtet, dass der Name der Tierart in den Bezeichnungen der ‚Fleischprodukte‘ nicht mehr vorkommt. Man spricht … Continue reading Aus jemand wird etwas.

Natürlich sind wir Menschen auch sehr bemüht um einen ‚anständigen‘ Umgang mit den Nutztieren, die sich so bereitwillig opfern, um uns als Nahrung zu dienen. Ehrensache. Ihr Leben, das in Wirklichkeit vom ersten bis zum letzten Tag ein demütigendes Warten auf die Vollstreckung ihres Todesurteils ist, beschreiben wir mit allerlei beschönigenden Worten. Statt von Verstümmelung reden wir von Schwänze kupieren und Schnabelpflege, Zwangsschwängerung nennen wir künstliche Besamung. Wenn wir die Tiere am Ende ihres kurzen Daseins grausam töten, indem wir sie wahlweise in Gaskammern treiben, ihnen einen Bolzenschuss verpassen oder sie ins Elektrobad schicken, um ihnen anschließend die Kehle aufzuschneiden, dann nennen wir das gerne ‚humane, stressfreie Tötung‘. Manche ‚Fleischerzeuger*innen‘ achten offenbar derart vorbildlich auf das ‚Tierwohl‘, dass sogar Tierschutzorganisationen regelrecht darum wetteifern, dies mit ‚Gut-Fleisch-Zertifikaten‘ bescheinigen zu dürfen. Die Tierschutzsiegel lassen die Verbraucher*innen (auch ein spannendes Wort!) wissen, dass sie dieses Produkt garantiert jederzeit mit gutem Gewissen kaufen können. Egal ob Massentierhaltung, die wir gerne ‚konventionelle‘ Tierhaltung nennen – um unaufgeregt die Normalität der lebensverachtenden Zustände zu betonen – oder gar ‚artgerechte‘ Haltung: Wir produzieren ‚glückliches Fleisch‘.

Wenn Sie zu den Menschen gehören, für die der Konsum tierlicher Produkte bislang das Normalste auf der Welt darstellt, dann bitte ich Sie, einmal innezuhalten. Lassen Sie sich ein auf die Vorstellung, dass Sie in Ihrem Leben möglicherweise regelmäßig Dinge tun, die in krassem Widerspruch zu dem stehen, wie Sie eigentlich denken und fühlen. Erkunden Sie neugierig und ergebnisoffen den Wahrheitsgehalt Ihrer Glaubenssätze in Sachen Tierkonsum. Schauen Sie hinter die Kulissen des ‚Produktionsprozesses‘ und erhellen Sie Ihren ‚blinden Fleck‘. Begegnen Sie mit offenem Herzen dem Leid, das Sie mit Ihren Konsumentscheidungen zwangsläufig verursachen. Prüfen Sie bitte, ob Sie das, was Sie dort zu sehen bekommen, weiterhin unterstützen möchten.[9]Die Tierrechtsorganisation Animal Equality hat ein sehr empfehlenswertes Video veröffentlicht, welches die Praktiken der Tierhaltung aus dem Blickwinkel eines Schweines zeigt. … Continue reading Ich verspreche Ihnen eine Reihe interessanter Erkenntnisse und berührender Erfahrungen.

Wir können gegenüber dem Offensichtlichen blind sein, und wir sind darüber hinaus blind für unsere Blindheit.

Daniel Kahneman, Psychologe und Wirtschafts-Nobelpreisträger

Quellen und Fußnoten

Quellen und Fußnoten
1 Natürlich gebrauchen wir die Aussage ‚Mir Wurst‘ oftmals auch als Floskel bei völlig belanglosen Themen. Von einem emotionalen Offenbarungseid können wir nur dann sprechen, wenn die Äußerung im Zusammenhang mit von Menschen verursachtem Leid erfolgt.
2 Melanie Joy: Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen. compassion media.
3 „Karnismus ist das Glaubenssystem, das uns darauf konditioniert, bestimmte Tiere zu essen.“ Melanie Joy: Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen. compassion media. Seite 32.
4 Vgl. hierzu: Dr. Will Tuttle. Ernährung und Bewusstsein. Crotona Verlag. Will Tuttle führt in seinem Werk aus, dass alle gewalttätige Ideologien (Rassismus, Sexismus, Homophobie, Speziesismus, …) und kriegerischen Handlungen letzlich immer voraussetzen, dass es ein ‚Wir‘ und die ‚Anderen‘ gibt, und dass wir die Guten und die ‚Anderen‘ die Bösen oder Minderwertigen sind.
5 Charles Darwin formulierte bereits sehr klar: „Es gibt keinen fundamentalen Unterschied zwischen Mensch und Tier in ihren Fähigkeiten, Freude und Schmerz, Glück und Elend zu fühlen.“
6 Dass wir überwiegend weibliche Schimpfwörter benutzen ist ein Hinweis, dass Karnismus nicht der einzige diskriminierende ‚Ismus‘ ist, der sich in unserer Gesellschaft beobachten lässt.
7 Die karnistische Indoktrination hat ganze Arbeit geleistet, wenn wir als Kinder lernen, dass wir Nutztiere essen dürfen, weil sie eigens dafür da sind, und als Erwachsene an der Ausbeutung dieser Tiere krampfhaft festhalten, weil wir die Tiere ja unbedingt essen müssen, da sie sonst aussterben.
8 Im angelsächsischen Sprachraum wird noch wesentlich sorgfältiger darauf geachtet, dass der Name der Tierart in den Bezeichnungen der ‚Fleischprodukte‘ nicht mehr vorkommt. Man spricht von veal, beef, pork, poultry, seafood. Auch wird der Begriff ‚flesh‘ vermieden und stattdessen stets von ‚meat‘ gesprochen.
9 Die Tierrechtsorganisation Animal Equality hat ein sehr empfehlenswertes Video veröffentlicht, welches die Praktiken der Tierhaltung aus dem Blickwinkel eines Schweines zeigt. https://www.youtube.com/watch?v=_pC0_mqmp6w

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